Multiple Sklerose
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e-med Forum Multiple Sklerose 26. Februar 2020 Kontakt  Impressum  Datenschutz  
 

Ausgesuchte MS-Links:

 

Alternative und in ihrer Wirksamkeit umstrittene Therapieansätze z. Behandlung d. MS

(in alphabetischer Reihenfolge)


Diäten und Nahrungsmittel


Man weiß eigentlich recht wenig über immunmodulierende Wirkungen der Ernährung und man muss davon ausgehen, dass Diäten Einfluss auf das Immunsystem nehmen können. Viele natürliche, auch in Lebensmitteln vorkommende Substanzen, können bei entsprechender Dosis Wirkungen auf entzündliche Prozesse im Körper ausüben. Z.B. natürliche Antioxidantien wie Ginkgo biloba, Vitamin E und Alpha-lipon Säure. Bekannt ist weiter, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren leichte immunmodulierende Wirkungen haben. Es ist nachgewiesen, dass sehr hohe Dosierung von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren die Schwere von MS-Schüben mindern kann. Auswirkungen auf den Langzeitverlauf bei MS konnten dadurch allerdings bisher nicht nachgewiesen werden.

 

Grundsätzlich kann man, wie eigentlich allgemeingültig, sagen, dass für MS- Patienten eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten, mit viel Seefisch und frischem Gemüse und Obst empfehlenswert ist. Dafür, dass MS durch falsche, einseitige oder Mangelernährung verursacht wird, gibt es keine wissenschaftlich haltbaren Gründe. Für Diäten wie allergenfreie Diät, Cambridge Diät und andere Flüssignahrungsdiäten, Eiweiß- und Fruchtzucker- reduziert Diät, Evers-Diät, glutenfreie Diät, McDouglas-Diät, Rohkost, Saccharose- und tabakfreie Diäten konnten Wirkungen auf den Verlauf der MS bis heute nicht nachgewiesen werden. Solche Diäten sind oft nicht nur teuer, sondern sie beeinträchtigen nicht selten die Lebensqualität, gewährleisten keine ausgewogene Ernährung und können dadurch zu Gesundheitsschäden führen.


Enzymtherapie


Im Verlauf von Entzündungsprozessen kommt es im Körper zu einer Reaktion von körpereigenen Antikörpern mit Antigenen (z.B. eingedrungenen Krankheitserregern oder auch mit Zelltrümmern als Folge eines Traumas). Dadurch entstehen Immunkomplexe, die normalerweise von phagozytierenden Zellen (hierbei handelt es sich um Fresszellen, die Fremdkörper oder Zelltrümmer umschließen) aufgenommen und entsorgt werden. Unter bestimmten Umständen, z.B. wenn zu viele oder zu große Immunkomplexe vorhanden sind, überfordern diese Moleküle jedoch das Immunsystem. Die Enzyme bzw. Enzymkombinationen sollen zum direkten Abbau von solchen Immunkomplexen führen.

 

Immunkomplexe spielen zwar bei einigen entzündlichen Erkrankungen durchaus eine Rolle, aber eine Bedeutung oder Einwirkung von Immunkomplexen bei der MS ist unbekannt. An einer placebokontrollierten  europäischen Studie zur Enzymtherapie bei MS (ESEMS) nahmen 2 Jahre lang 280 Patienten teil. Es wurde der Effekt der Behandlung auf das Fortschreiten der Behinderung, die Schubrate, auf neurologische Symptome, den Gemütszustand sowie mögliche Nebenwirkungen der Behandlung untersucht. Auswertungen unmittelbar nach Ende der Studie ergaben keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Die Medikation wurde ohne relevante Nebenwirkungen vertragen. Die Daten der Studie begründeten keine rationalen Vorteile für eine Enzymtherapie bei MS.


Fratzer/Hebener-Therapie


Die Fratzer/Hebener-Therapie fordert eine Umstellung der Ernährung möglichst ohne linolsäure- und arachidonsäurehaltige Lebensmittel und kann in diesem Rahmen nicht erschöpfend behandelt werden. Ungesättigte Omega-3-Fettsäuren werden in Form von Fisch (Lachs)- Öl- Kapseln  zugeführt. Vitamin E dient dem Oxidationsschutz der ungesättigten Fettsäuren. Als Vitalstoffe spielen B-Vitamine und Muschelfleischextrakt eine Rolle. Selenmangel bei MS-Patienten wird mit  einem Selenpräparat in Kombination mit einem Coenzym Q10 entgegengewirkt.

 

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.


Knochenmarkstransplantation (KMT) und Stammzelltransplantation (SZT)


Neuere Forschung und Studien legen die Vermutung nahe, dass eine Stammzelltransplantation und Knochenmarkstransplantation bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen so auch der MS helfen könnte. Dabei erfolgt nach einer sehr starken Immunsuppression mit hoch dosierter Chemotherapie oder Bestrahlung eine intravenöse Infusion (Transplantation) von hämatopoetischen Stammzellen aus dem Knochenmark. Ziel der KMT/SZT ist die vollständige Ausschaltung des Immunsystems des Patienten und danach die Rekonstitution des hämatopoetischen Systems durch Transplantation. Langzeitverlaufsbeobachtungen nach KMT/SZT gibt es bei der MS bisher nicht.

 

Die hohe Toxizität des Verfahrens ist bedenklich und während des ersten Monates der Behandlung kommen häufig Komplikationen vor. Derzeit gilt diese invasive Therapieform mit ihrer signifikanten Sterblichkeit (ca 5 %) als ein weitgehend experimentelles und risikoreiches Therapieverfahren. Es ist auch noch unklar, welche Gruppe von MS-Patienten von dieser Therapie profitieren könnte. Es kommen derzeit nur Patienten mit besonders schwerem, progredientem Verlauf im Rahmen kontrollierter Studien in Betracht. Aber die Erkrankung darf auch nicht so weit fortgeschritten sein, dass durch die Therapie kein Funktionsgewinn mehr zu erwarten ist.

 

Eine europäische Studiengruppe wird insoweit Kriterien und Empfehlungen für die Auswahl von Patienten und der Vorgehensweise bei der Behandlung entwickeln, um weitere Studien zu ermöglichen.


Marijuana , Cannabis und THC



Die bisher größte Studie mit über 600 Teilnehmern zur Wirksamkeit von Cannabis zur Linderung von MS-Symptomen hat bestehende Annahmen bestätigt. Eine Wirkung ist vor allem bei der subjektiven Bewertung der Symptome durch die Patienten festgestellt werden. Die Überprüfung mittels standardisierter Tests führte zu weniger eindeutigen Ergebnissen.

 

Positive Effekte wurden insbesondere für MS-Symptome wie Spastizität, Muskelsteifigkeit und ruckartige Bewegungen berichtet. Wissenschaftler haben in der in "The Lancet" veröffentlichten Studie darauf hingewiesen, dass die Angaben mancher Teilnehmer durch die Wirkung von THC eine subjektive Veränderung erfahren haben könnte.


Die metabolische Therapie der Multiplen Sklerose - Konzept nach Dr. Kluge


Für den Urologen Dr. Kluge propagiert stehen die "Entgiftung von Ammoniak" und die gleichzeitige "Regulierung des Stuhlganges" im Mittelpunkt. Dem dienen die regelmäßige Einnahme von Lactulose und des Eiweißersatzmittels Neuroperm. Eine Studie über die Behandlung mit Neuroperm war nicht randomisiert und nicht placebokontrolliert. Sie war hinsichtlich der Wirksamkeit dieser Therapie bei Multipler Sklerose nicht aussagekräftig. Wissenschaftlich nachvollziehbare Erkenntnisse über die Störung des Ammoniakstoffwechsels bei MS liegen nicht vor.


Plasmapherese


Bei der Plasmapherese wird dem MS-Patienten eigenes Blut entnommen und das flüssige Plasma und die Blutzellen werden in einer Zentrifuge getrennt. Das Plasma des Patienten mit den Lymphozyten wird entnommen und durch fremdes Plasma oder humanes Albumin ersetzt, um einen Flüssigkeits- und Eiweißverlust zu vermeiden. Der Patient erhält dann eine Transfusion seines "gereinigten" Blutes. Das kann mehrere Male wiederholt werden. Dahinter steht die Vorstellung, dass die Substanzen, welche das Myelin verändern und/oder die Nervenleitfähigkeit mindern, so weise entfernt werden.

 

Nach ersten hoffnungsvollen Erfahrungen mit dem Einsatz der Plasmapherese, insbesondere in Kombination mit Cyclophosphamid , konnten die anfangs großen Erwartungen in den Einsatz der Plasmapherese in einer groß angelegten multizentrischen Studie leider nicht belegt werden. Dennoch gilt die Plasmapherese bei schweren steroidresistenten Schüben als eine mögliche Therapie-Alternative.