Multiple Sklerose
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e-med Forum Multiple Sklerose 30. Juli 2010 Kontakt  Impressum  
 

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Die MS-Diagnose

MS kann im Frühstadium als Vorgeschichte unklarer Symptome in Erscheinung treten, die inzwischen spontan nachgelassen haben mögen, und viele dieser Anzeichen könnten einer Reihe anderer Leiden zugeschrieben werden.

 

Es mag daher einige Zeit vergehen und eine Vielzahl von Untersuchungen durchgeführt werden, bis von MS die Rede ist. Andererseits kann eine MS-Diagnose sehr frühzeitig in Betracht gezogen werden, wenn klassische Symptome (z.B.Optikusneuritis) und eine deutliche Zeitfolge von Krankheitsschüben festzustellen sind.

 

Der Neurologe benötigt Belege dafür, daß aus der Art der neurologischen Störungen auf die Beteiligung von mindestens zwei verschiedenen Gebieten des Zentralnervensystems geschlossen werden kann, und daß Störungen in zwei zeitlich getrennten Episoden aufgetreten sind.

 

Die Diagnose der multiplen Sklerose ist grundsätzlich eine klinische. Es gibt keine MS-spezifischen Tests, und ein einzelner Test liefert keine endgültigen Ergebnisse.

 

Es sind daher mehrere Tests und Untersuchungen erforderlich, um die MS-Diagnose zu stellen. Dazu zählen:

 

Krankengeschichte

Der Arzt benötigt Ihre Krankengeschichte mit Eintragungen früherer Beschwerden, und Symptome und Angaben zu Ihrem gegenwärtigen Gesundheitszustand.

 

Die Art der Symptome, ihr Beginn und Verlauf können den Schluß auf MS nahelegen, aber eine vollständige körperliche Untersuchung und medizinische Tests sind erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen.

 

Neurologische Untersuchung

Der Neurologe sucht nach Anomalien der Nervenfunktion. Manche der häufiger anzutreffenden neurologischen Symptome betreffen Störungen der Augenbewegungen, der Gliedmaßenkoordination, der Körperkraft, des Gleichgewichts, der Empfindungen, des Sprechens und der Reflexe.

Bei dieser Untersuchung kann jedoch die Ursache der Anomalie nicht festgestellt werden. Daher müssen andere mögliche Krankheitsursachen, die MS-ähnliche Symptome hervorbringen, ausgeschlossen werden.

 

Untersuchung durch visuell und akustisch evozierte Potentiale

Die Leitungsgeschwindigkeit eines Nerven kann durch dessen Entmarkung verringert werden. Evozierte Potentiale sind ein Mittel, um diese Geschwindigkeit zu messen, die das Gehirn benötigt, um einen Reiz zu empfangen und zu verarbeiten.

 

Hierzu werden kleine Elektroden am Kopf angebracht, mit denen die Hirnströme überwacht und die Reaktionen auf visuelle und akustische Reize festgestellt werden können. Normalerweise reagiert das Gehirn fast sofort, aber im Falle der Entmarkung kann eine Verzögerung eintreten. Dieser Test ist weder invasiv noch schmerzhaft und erfordert keinen Krankenhausaufenthalt.

 

Kernspintomographie

Die Kernspintomographie ist ein relativ neues diagnostisches Verfahren, das sehr detaillierte Bilder des Gehirns und des Rückenmarks liefert.

Es ist das einzige Verfahren, das die Sklerosierungsorte (Läsionen oder Plaques) sichtbar macht. Dennoch bietet es keinen abschließenden Befund, denn erstens kann das Gerät eine Läsion übersehen, und außerdem können viele andere Krankheiten ebensolche Anomalien hervorrufen.

 

Das Kernspintomogramm zeigt deutlich die Größe, Anzahl und Verteilung der Läsionen und ist in Verbindung mit weiteren Belegen aus Krankengeschichte und neurologischer Untersuchung ein sehr wichtiges Mittel zur Bestätigung der MS-Diagnose.

 

Neue Kriterien zur Diagnose der Multiplen Sklerose

Für wenige Erkrankungen gibt es mehr diagnostische Kriterien als für die Multiple Sklerose (MS). Seit der Publikation der "Poser-Kriterien" ist eine lange Zeit vergangen, und vor dem Hintergrund vieler neuer Erkenntnisse über die MS wurde der Ruf nach neuen Kriterien laut.

 

Im Juli 2001 schließlich hat eine internationale Arbeitsgruppe erfahrener Neurologen unter dem Vorsitz von Professor W. Ian McDonald vom Royal College of Physicians, London, neue Kriterien für den allgemeinen Gebrauch verabschiedet und veröffentlicht. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass diese Kriterien vom praktizierenden Neurologen verwendet werden können. Ein wesentliches weiteres Merkmal ist die Integration der MRT-Befunde. Die neuen Kriterien sind nicht unumstritten: so spielt beispielsweise die Vorgeschichte hinsichtlich früherer Krankheitsepisoden eine untergeordnete Rolle, obwohl sie bisweilen aussagekräftiger sind als MRT-Befunde.

 

Die Kernspintomographie ist auch ein sehr nützliches Arbeitsmittel für klinische Versuchsreihen, da man hiermit die Krankheitsaktivität in Gehirn und Rückenmark messen und so den Wert neuer Therapien beurteilen kann.

 

Lumbalpunktion

Bei diesem Test wird der Liquor cerebrospinalis (die Flüssigkeit in den Hohlräumen von Gehirn und Rückenmark) untersucht, um festzustellen, ob darin Antikörper vorhanden sind.

 

Antikörper können bei MS auftreten, aber auch bei anderen neurologischen Erkrankungen. Die Flüssigkeit wird dem Wirbelkanal entnommen. Hierzu wird unter örtlicher Betäubung eine Nadel in den Rücken eingeführt. Die Prozedur ist zwar unangenehm, aber normalerweise nicht schmerzhaft.

 

Nach der Entnahme muß der Patient einige Stunden lang flachliegen. Eine Nacht im Krankenhaus kann erforderlich sein, und manche brauchen anschließend noch eine kurze Erholungsphase. Dieser Test kann auf MS hinweisen, bietet aber allein kein abschließendes Ergebnis.

 

Die MS-Diagnose ist nicht immer eindeutig. Anfangssymptome können undeutlich oder vorübergehend und für Patient und Arzt gleichermaßen verwirrend sein. Nicht sichtbare oder subjektive Symptome können Ärzten und anderen medizinischen Kräften oft nur schwer mitgeteilt werden.

 

Manchmal werden Betroffene anfangs als "neurotisch" oder als Hypochonder abgetan. Bei Beschwerden, die Sie veranlaßten, Ihren Arzt aufzusuchen, hat dieser Ihnen seinen MS-Verdacht vielleicht nicht mitgeteilt. Dieses Zögern kann sehr vernünftig sein, denn der Neurologe möchte wahrscheinlich erst mindestens zwei getrennte Schübe gesehen haben, die mindestens einen Monat auseinanderliegen und deren Symptome mindestens 24 Stunden anhalten.

 

Ein gutes Verhältnis zu Ihrem Neurologen und Hausarzt ist wesentlich. Bei Krisen und akuten Schüben sind zwar die medizinischen Spezialisten vonnöten, aber ansonsten ist MS eine Krankheit, die jeden Tag gelebt und geregelt werden muß.

 

Die Zeit der Diagnose ist nicht nur für die Person mit MS, sondern auch für Familienangehörige und Pfleger belastend. Auch sie müssen über Diagnose, Prognose, Behandlung, praktische Aspekte der Lebensgestaltung im Zusammenhang mit MS informiert werden.

 

Der Hausarzt und die örtliche MS-Gesellschaft sind für MS-Betroffene wichtige langfristige Ressourcen für Pflege und Information. Die Diagnose MS ist ein Schock, und häufig beherrschen stereotype Bilder von Rollstühlen und Invalidität die Gedanken.

 

Es ist daher für MS-Kranke und ihre Bezugspersonen sehr wichtig, zu erkennen, daß man auch mit MS unter Berücksichtigung krankheitsbedingter Einschränkungen ein sinnerfülltes Leben führen kann. Insbesondere ist es oftmals nicht erforderlich, den Beruf, die Ausbildung oder die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben aufzugeben.

 

Viele Menschen können mit MS ein produktives, erfülltes und relativ normales Leben führen.

 

 

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