Multiple Sklerose
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Auszug aus unserm Expertenchat "Multiple Sklerose und Sexualität", am 20.12.2001, um 19:30 Uhr

 

Wie häufig findet man Sexualfunktionsstörungen bei MS-Patienten?

In der Literatur werden bis zu 80% der MS-Patienten angegeben, die in irgendeiner Weise über Sexualprobleme berichten. Allerdings gibt es eine große Dunkelziffer, da man „darüber nicht spricht“.

 

Gibt es Unterschiede zwischen den Sexualstörungen beim Mann und bei der Frau?

Ja. Der größte Teil der sexuellen Probleme, die vom Mann berichtet werden bei Publikationen bestehen darin, dass die Männer über Erektionsstörungen klagen. Häufig sind diese Störungen kombiniert mit neurogenen Blasenstörungen oder spastischen Lähmungen der unteren Extremitäten.

 

Welche Störungen liegen bei der Frau vor?

Hier gibt es noch weniger Studienergebnisse. Dies ist auch symptomatisch, da Frauen wahrscheinlich noch weniger darüber reden. Die Häufigsten Symptome sind Verlust oder Nachlassen der Libido und fehlende Lubrikation der Vagina. Außerdem klagen die Patientinnen über veränderte genitale Empfindung, insbesondere wenn sie Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich haben. Häufig wird auch über Orgasmusunfähigkeit geklagt.

 

Wie kommen die Störungen zustande?

Durch Veränderungen und Läsionen im Zentralen Nervensystem können die Nervenbahnen, die Impulse zu den Geschlechtsorganen leiten, unterbrochen werden. Dadurch entstehen Beeinträchtigung von Libido und Gefühlsstörungen, die einen Orgasmus verhindern oder die die Libido herabsetzen.

 

Welche Störungen können außerdem noch bei MS-Patienten störend wirken?

Das Auftreten von Inkontinenz, Spastizität, von Ataxie und Fatique-Syndrom und Schmerzen haben starken Einfluß auf eine sexuelle Aktivität.

 

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es bei Störung der Sexualfunktion?

Die wirksamste Behandlung ist zunächst ein Gespräch, dieses Gespräch sollte zwischen Arzt und Patient und möglicherweise auch zwischen Patient und Partner, evtl. unter Einbeziehung des Arztes stattfinden. Es sollten zunächst sämtliche Probleme besprochen werden, die zu den Störungen führen, die auch nicht unbedingt mit der Multiple Sklerose zusammen hängen müssen.

 

Welche Erfolge hat man bei den Störungen durch das Medikament Viagra und wer übernimmt die Therapiekosten?

In einer großen Londoner Studie wurden 217 MS-Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 46 und einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von 10,4 Jahren beobachtet. Die Hälfte der Patienten erhielt über einen Zeitraum von 12 Wochen den Wirkstoff, der in Viagra enthalten ist, die andere Hälfte bekam ein Scheinpräparat. Ein positiver Effekt konnte bei 89 % der Patienten in der Verumgruppe beobachtet werden. Das Medikament kann nach Ausschluß von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen verordnet werden. Leider ist die Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenversicherung noch ungeklärt, dass heißt zur Zeit darf es nicht über Kassenrezept verordnet werden. Hingewiesen werden muß allerdings, dass Viagra selbst nicht sexuell stimulierend wirkt und dass es nur angewendet werden kann, wenn die Lust zur sexuellen Aktivität noch vorhanden ist.

 

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es noch für den Mann?

bei der sogenannten Erektilen Dysfunktion kann durch eine Injektion in den Schwellkörper eine Erektion erreicht werden. Diese Methode kann man bei bestimmten Urologen erlernen. Die Komplikation der Therapie ist eine verlängerte Erektion. Diese Maßnahme erfordert eine ausreichende Aufklärung in diesen Fällen. Außerdem können Vakuumpumpen angewendet werden. Aufgrund eines verminderten Luftdrucks kann Blut in den Penis gesaugt werden und die Schwellkörper dadurch aufgepumpt werden. Ebenso gibt es die Möglichkeit auch bei der Frau durch die Verwendung von Vibratoren die sexuelle Lust anzuregen.

 

Wie können Sexualstörungen bei der Frau behandelt werden?

Grundsätzlich sind Frauen empfänglich für Zärtlichkeit und Berührung der sogenannten sekundären Geschlechtsmerkmale. So kann man bei Kenntnis der entsprechenden Sensibilitätsstörungen diese umgehen. Durch individuelle Sexualberatung z.B. Stellungen beim Sexualverkehr, Gebrauch sexueller Hilfsmittel oder alternative sexuelle Alternativen (z.B. elektrische Stimulation durch einen Vibrator) ist es möglich, eine befriedigende Sexualpraktik partnerschaftlich zu betreiben. Wichtig ist immer wieder das Gespräch und die Kenntnis der Symptome der MS, die eventuell einen nachteiligen Effekt auf die Sexualfunktion ausüben könnten.

 

Gibt es auch andere Sexualstörungen bei MS, die organisch bedingt sind?

Ja. Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen nehmen es oft für gegeben an, dass ihre Störungen in ihrem Sexualleben auf die Krankheit zurückzuführen sind. Meist aber liegt der Grund für solche Störungen wie auch beim Gesunden in Kombination mit psychogenen Ursachen. Diese sind im Vergleich mit der Normalbevölkerung nicht verändert. In diesem Bereich müssen dann therapeutische Interventionen zum Einsatz kommen.

 

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