Multiple Sklerose
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e-med Forum Multiple Sklerose 30. Juli 2010 Kontakt  Impressum  
 

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Standardverfahren bei der Behandlung der MS

Die Multiple Sklerose wird primär mit Medikamenten behandelt. Für die Schubbehandlung bzw. immunprophylaktische Therapie stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, und es gibt empirische Vorschläge zur immunmodulatorischen Stufentherapie der MS, die nachfolgend skizziert werden. 

 

Kortikosteroidbehandlung des akuten Schubes:

Etablierter Standard zur Therapie des akuten Schubes sind Kortikosteroide, die antientzündliche Eigenschaften aufweisen. Trotz des vielfältigen Einsatzes von Kortikosteroiden in der Schubbehandlung liegen allgemeingültige Qualitätsstandards bisher nicht vor, da eine direkte Vergleichbarkeit der vorliegenden Studien aufgrund der unterschiedlichen Designs nicht gegeben ist. Für eine Intermittierende Kortikosteroidbehandlung bei chronisch progredientem Krankheitsverlauf gibt es zwar wenig Informationen aus publizierten Studien, allerdings ist aufgrund der ansonsten eingeschränkten Therapieoptionen bei der chronisch progredienten Verlaufsform der Multiplen Sklerose eine probatorische intravenöse Steroidpulstherapie durchaus sinnvoll. Eine laufende immunprophylaktische Therapie sollte während der Kortikosteroidbehandlung eines Schubes nicht ausgesetzt werden. Eine Dauerbehandlung mit Kortison ist aus heutiger Sicht nicht zu empfehlen.

 

Indikation für das Umsetzen einer Beta-Interferontherapie:

Trotz relativ guter Verträglichkeit der Präparate gibt es einzelne Patienten, die auch bei umfangreicher Behandlung der Nebenwirkungen über einen Zeitraum von 6 Monaten hinaus starke Unverträglichkeiten zeigen, so daß beispielsweise aufgrund lokaler Nebenwirkungen nach subkutaner Injektion eine Umstellung auf ein intramuskulär zu injizierendes Präparat (Avonex™ einmal pro Woche 6 Mio. Einheiten) erwogen werden kann. Grundsätzlich erachtet die Konsensus-Gruppe die Umstellung von einem Interferonpräparat auf ein anderes bei persistierenden schweren grippeähnlichen Nebenwirkungen für nicht sinnvoll. Aufgrund der vorliegenden Daten gibt es noch keine ausreichende Begründung im Falle eines Therapieversagens von einem auf ein anderes Betainterferon umzustellen. Erste Hinweise deuten auf eine dosis-abhängige Wirkung der Beta-Interferone hin.

 

Behandlung der sekundär chronisch progredienten Verlaufsform mit Beta-Interferonen:

Eine große klinische Studie mit Betaferon® (European Study Group on IFN b-1b in secondary progressive MS) wurde wegen eines nachgewiesenen Therapieeffektes im Hauptzielkriterium (Verminderung einer Krankheitsprogression) vorzeitig abgebrochen und in der Zwischenzeit liegt die Zulassung von Betaferon® auch für diesen Krankheitsverlauf vor. Im Rahmen der Studie wurden positive Effekte auf die Krankheitsprogression und die Reduktion der Schubfrequenz nachgewiesen.

 

Glatirameracetat/ Copolymer-1:

Anfang der 90iger Jahre wurde das Präparat in einer großen multizentrischen Studie mit insgesamt 251 Patienten untersucht. Bei insgesamt guter Verträglichkeit der täglichen subkutanen Injektion fand sich am Ende der zweijährigen Beobachtungszeit eine Schubreduktion um 29%.

Interessanterweise war die Schubreduktion besonders ausgeprägt bei Patienten mit niedrigen Behinderungsgraden. Insgesamt wurde die tägliche subkutane Applikation von Copaxone in den berichteten Studien vergleichsweise gut vertragen. Abgesehen von vereinzelten Symptomen wie Lymphknotenschwellungen und kurzdauernden, sich spontan zurückbildenden, systemischen Reaktionen mit Beklemmungsgefühl, Angst, Herzrasen und Flush, die meist kurz nach der Injektion auf. Copaxone® (Glatirameracetat) ist in Deutschland seit Sept. 2001 für die Behandlung der MS zugelassen. Bezüglich der Schubreduktion wurde ein ähnlich großer Effekt wie unter den Betainterferonen beobachtet, so daß Glatiramerazetat eine Alternative zur immunprophylaktischen Therapie darstellt.

 

Intravenöse Immunglobuline:

Intravenös verabreichte Immunglobuline (IVIg) besitzen bei verschiedenen immun-vermittelten neurologischen Erkrankungen therapeutische Wirksamkeit. Zahlreiche Einzelfalldarstellungen und eine erste, kontrollierte Studie aus Österreich bei der schubförmigen Verlaufsform der MS legen mit einem niedrig dosierten Therapieschema eine Wirksamkeit dieser Behandlungsmaßnahme nahe. Insgesamt ergeben sich aus den vorliegenden Untersuchungen Hinweise auf eine Wirksamkeit von IVIg bei schubförmiger MS, der Einsatz dieser Naturprodukte mit variabler Zusammensetzung sollte derzeit aber nur bei ausgewählten Indikationen nach Rücksprache mit einem MS-Zentrum durchgeführt werden.