Die intrathekale TCA-Therapie bei Multipler SkleroseDiese Informationsschrift ist vorrangig bestimmt für MS-Patienten mit primär oder sekundär chronisch-progredienter Verlaufsform und spinaler Symptomatik, d.h. mit Entzündungsherden im Rückenmark oder im Hirnstammbereich. Sie beruht auf schriftlichen Befragungen von Chefärzten neurologischer Kliniken in Krankenhäusern, Neurozentren und Universitätsinstituten, die für die Behandlung von MS-Patienten bekannt sind. Die Befragung wurde ergänzt durch persönliche Erfahrungen von Teilnehmern einer Patienteninitiative in Norddeutschland.
Aus den Antworten und Veröffentlichungen von 108 Kliniken ist ersichtlich, daß es in Ergänzung der bekannten MS-Therapien seit längerem ein Behandlungsverfahren gibt, das in 50-70% aller geeigneten Fälle eine - zeitlich begrenzte und wiederholbare - Verbesserung der Symptome erwarten läßt, speziell bei Beschwerden wie Gehfähigkeit, Spastik und Blasenproblemen. Es wird von 32% der antwortenden Kliniken regelmäßig oder gelegentlich angewandt. Das Verfahren wird häufig in Fällen eingesetzt, wenn andere Therapiemaßnahmen nicht zur Besserung der Beschwerden geführt haben. Nach Meinung einiger Kliniken sollte die Therapie möglichst bald nach der Diagnose begonnen werden. Bei geeigneten Fällen und in erfahrenen Händen sehen die Fachleute durchaus einen Stellenwert. Das Verfahren wurde im Jahr 2003 von einem Fachgremium in die "Empfehlungen zur symptomatischen Behandlung der Multiplen Sklerose", speziell zur Behandlung der Spastik aufgenommen und von der Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe (MSTKG) als Supplement in der Fachzeitschrift "Der Nervenarzt" (Bd.75, Heft 8, August 2004) veröffentlicht. Zitat: "Die intrathekale Gabe von Triamcinolon-Acetonid-Kristallsuspension ist zukünftig eventuell ein weiterer Weg zur Therapie einer spinalen Spastik, nachdem jüngst gezeigt werden konnte, dass hiermit eine Verlängerung der Gehstrecke sowie eine Verbesserung im EDSS nachweisbar sind und ernste Nebenwirkungen nicht auftraten. Auch diese Therapie sollte allerdings nur innerhalb von Studien oder in Kliniken mit besonderer Erfahrung erfolgen". Derartige Kliniken sind in der nachfolgenden Adressenliste aufgeführt.
Bei Durchführung des Verfahrens wird analog der bekannten Lumbalpunktion unter Anwendung von atraumatischen Punktionsnadeln meist 40 mg, bisweilen auch 80 mg des Depot-Kortikosteroids TCA (Triamcinolonacetonid, Volon©-A,) in den Liquor injiziert. TCA ist ein seit Jahrzehnten bekannter Wirkstoff. Die Behandlung erfordert neben einer eindeutigen Eignung des Patienten eine aseptische Umgebung und Vorgehensweise sowie praktische Erfahrungen und Qualifikation des behandelnden Arztes. Meist wird z.B. anläßlich eines stationären Aufenthaltes über 3-4 Wochen 1-2x wöchentlich eine Basisbehandlung durchgeführt und in den meisten Fällen eine anschließende Liegezeit von 2-8 Stunden verordnet, damit die gleichmäßige Verteilung der injizierten Kristallsuspension sichergestellt ist. Oft kann die danach eintretende Verbesserung durch eine externe, einmalige Gabe im Abstand von 4-8 Wochen (bisweilen auch nur 3-4x im Jahr) aufrechterhalten werden. Nach den Erfahrungen ist TCA gut verträglich, Nebenwirkungen (z.B. Kopfschmerzen) sind selten. Einige Kliniken sprechen von mehreren Tausend routinemäßig durchgeführter Behandlungen und von 200 oder mehr TCA-Injektionen pro Jahr, in allen Fällen ohne ernsthafte Komplikationen. Zusammengefasst wird die intrathekale TCA-Therapie als eine empfohlene und nebenwirkungsarme Behandlung bezeichnet, die in manchen Kliniken seit Jahrzehnten mit guten Erfolgen durchgeführt wird.
Quelle: PinC (Patienteninitiative intrathekale Cortisontherapie) - Stand 14.07.2005 / Dipl.Ing. Hans W. Leckscheidt 
| Einrichtung
| Kommentar der Einrichtung
|
Klinik und Poliklinik
im Bezirkskrankenhaus
der Universität Regensburg
AG Neuroimmunologie,
93053 Regensburg
|
Die intrathekale Therapie mit Volon®-A wird in unserem Haus gelegentlich bei Patienten mit ausgeprägter spinaler und damit deutlich fortgeschrittener Symptomatik durchgeführt. Nach unserer Erfahrung kommt es dabei bei Beachtung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen selten zu Problemen. Die Therapie ist nach unserem Eindruck bei einem Teil der Patienten wirksam, meist spürbar in Form einer Besserung der Spastik. Die Therapie ist allerdings rein symptomatisch, wirkt in aller Regel nur vorübergehend und verhindert nicht das weitere Fortschreiten, wenn die Erkrankung noch aktiv ist. Wir wählen diese Maßnahme vor allem bei Patienten mit weit fortgeschrittener MS, wenn andere Therapieformen nicht mehr möglich sind. |
Universitätsklinikum Charité Berlin,
Neurologische Klinik und Poliklinik,
10098 Berlin |
Danach bietet sich eine intrathekale Applikation von Triamcinolonacetonid (Volon®-A) als symptomatische (und nicht als kausale) Therapie von solchen Patienten an, die unabhängig von Krankheitsschüben unter (schmerzhaften) spastischen Lähmungen der unteren Extremitäten leiden, häufig verbunden mit Blasenstörungen. Die Gabe von Volon®-A kann in solchen Fällen, sowohl vor dem Hintergrund einer primären oder sekundär chronisch-progredienten Multiplen Sklerose zu einer objektivierbaren Besserung von spastischen Schmerzsyndromen und Gehstörungen führen.. Bei Erfolg wiederholen wir diese Maßnahme, soweit die praktische Durchführbarbeit gegeben ist, in regelmäßigen Abständen (alle 4-8 Wochen), auch zusätzlich zu einer kausal orientierten, immunmodulatorischen Therapie (z.B.mit Interferon-beta). Dies entspricht der Praxis anderer Kliniken. |
Nervenklinik Bamberg
Neurologische Klinik
|
Wir führen dies (Anm.: die intrathekale Volon©-Therapie bei MS) in unserem Haus regelmäßig durch, allerdings entsprechend den Ergebnissen von Rohrbach et al. vorwiegend bei spinal bedingten Symptomen, ggf. auch zur Schmerzlinderung. Meines Erachtens ist eine Auffrischungsbehandlung nur bei neuerlicher Verschlechterung sinnvoll. Die Anwendung der Therapie dürfte bei den genannten Institutionen in etwa den gleichen Regeln folgen. Einschränkend sollte ich noch sagen, daß bei lange vorbestehenden Ausfällen in der Regel keine oder nur eine geringfügige Besserung zu erreichen ist. |
Fachklinik für Neurologie
Dietenbronn GmbH,
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Ulm
88477 Schwendi |
In unserem Hause wird die MS-Therapie mit Volon©-A gelegentlich durchgeführt. Bei hierfür geeigneten Patienten geben wir 40 mg TCA. Wir verabreichen unseren Patienten während eines stationären Aufenthaltes 1 - 3 mal 40 mg TCA intrathekal in Abständen von etwa 3 Tagen. Diese Behandlungen werden dann in zeitlichen Abständen von etwa 6 Wochen wiederholt. Die Patienten melden sich meist von sich aus nach etwa 4 Wochen, wenn sie ein Nachlassen der therapeutischen Wirkung bemerken. Nach den Injektionen verordnen wir eine Liegezeit von 2 Stunden. Das Verfahren hat sich ausgesprochen gut bewährt zur Behandlung einer massiven Paraspastik der Beine, also überwiegend in der symptomatischen Therapie der MS. Bei akuten Krankheitsschüben oder florider Krankheitsaktivität chronisch-progredienter Patienten scheint uns die Methode dagegen nicht so wirksam zu sein, wie die i.v. Gabe von hochdosiertem Prednisolon. |
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen,
Städtisches Krankenhaus Sindelfingen, Abtg. Neurologie
71065 Sindelfingen |
Diese Methode wenden wir routinemäßig seit mehr als 20 Jahren an. [...] haben wir regelmäßig TCA (Volon©-A) bei unterdessen sicherlich über 10.000 Patienten, vorwiegend mit MS, zur Anwendung gebracht. Zuvor haben wir uns davon überzeugt, daß sich die elektronenoptisch darstellbaren Kristalle von TCA im Medium des Liquor cerebrospinalis im Brutkasten gleichförmig auflösen und keine Wurzelreizsyndrome verursachen. Komplikationen konnten nicht beobachtet werden. Nur selten entsteht ein postpunktioneller Kopfschmerz, der allerdings bei gleichzeitiger Gabe von TCA seltener auftritt. Lege artis appliziert, konnte ich bisher keine nachteiligen Nebenwirkungen feststellen. Andererseits hat die Kombination von TCA und Pulsetherapie einen besonders günstigen Verlauf bei der MS, speziell bei der spinalen Verlaufsform. Wir haben jedoch auch Patienten, die ausschließlich TCA im Abstand von 4 bis 6 Monaten erhalten. Von mehrfachen Injektionen in kurzen zeitlichen Abständen halte ich wenig, zumal die Halbwertszeit von TCA ausreichend lange ist und die Substanz im Liquor nachweislich lange verweilt, ohne größere systemische Nebenwirkungen zu haben. |
Ruhr-Universität Bochum,
St. Josef Hospital
Studienzentrum für Multiple Sklerose
44791 Bochum |
Wir behandeln zur Zeit etwa 110 Patienten mit überwiegend spinalen Verläufen einer MS mit intrathekaler Volon-A-Therapie. Die Behandlungsform wurde vor ca. 18 Jahren bei uns eingeführt. Sind die Kriterien erfüllt, läuft folgendes Behandlungsschema ab:
6 x intrathekale Therapie à 40 mg Volon-A innerhalb 3 Wochen (Boostertherapie); daneben entsprechende Sicherheitsstandards und Zusatzuntersuchungen; bei definiertem Therapieerfolg werden (individuell) im Abstand von 4 - 12 Wochen einmalige Erhaltungsbehandlungen durchgeführt. Die Langzeiterfahrungen liegen bei bis zu 12 Jahren. |
Sauerlandklinik Hachen
Neurologische Spezialklinik insbes. für Multiple Sklerose
59846 Sundern |
In der Sauerlandklinik Hachen als MS-Spezialklinik wird diese Behandlung seit Jahren mit guten Erfolgen durchgeführt. Ich selbst behandele MS-Patienten mit überwiegend spinaler Symptomatik seit 1972 mit jährlich 100-200 Injektionen, bisher ohne nennenswerte Nebenwirkungen. |

Adressenliste von Kliniken, die die intrathekale TCA-Therapie regelmässig oder gelegentlich anwenden(Kenntnisstand: 14.07.2005 / geordnet nach PLZ)
06120 Halle/Saale
Hr. Dr.F.Hoffmann
Städt. Krankenhaus Martha-Maria, Klinik für Neurologie
Tel.: 0345-55 91 891
10117 Berlin
Hr. Dr.R.Zschenderlein
Charité, Neurologische Klinik und Poliklinik
Tel.: 030-450-572079
13347 Berlin
Fr. Prof.Dr.J.Haas
Jüdisches Krankenhaus Berlin, Abtg. Neurologie
Tel.: 030-4994-2348
15755 Teupitz
Hr. Dr.J.Faiss
Neurologische Landesklinik
Tel.: 033766-66336
17258 Feldberg (Meckl.-Vorpommern)
Hr: Dr.Chr. Bucka
Klinik am Haussee, Abtg. Neurologie
Tel.: 039831-52-0
21677 Stade
Hr. Dr.J.Igloffstein
Elbe-Klinikum, Neurologische Klinik
Tel.: 04141-97-1350/51
22087 Hamburg
Hr. Prof.Dr.T.Weber
Marienkrankenhaus Hamburg, Neurologische Klinik
Tel.: 040-2546-2602
24106 Kiel
Hr. Dr.W.Wabbel
Lubinus-Klinik, Anästhesie
Tel.: 0431-388281
26702 Emden
Hr. Prof. Dr. med. Büttner
Klinikum der Stadt Emden
Tel.: 04921 - 98 13 18
27574 Bremerhaven
Hr. Prof. Dr. Odin
Zentralkrankenhaus Reinkenheide
Tel.: 0471- 299 3419
30559 Hannover (Kirchrode)
Hr. Prof.Dr.F.Heidenreich
Krankenhaus Henriettenstiftung, Neurol. Klinik,
Tel.: 0511-289-3
30632 Hannover
Hr. Prof.Dr.J.Bufler
Medizinische Hochschule (MHH), Abtg. Neurologie
Tel.: 0511-532-2391
35385 Gießen
Hr. Dr.P.Oschmann
Universität Gießen Neurologische Klinik
Tel.: 0641-99 45306
35789 Weilmünster
Hr. Prof.Dr.C.Hornig
Klinikum Weilmünster, Neurologische Klinik
Tel.: 06472-60-292
40225 Düsseldorf
Hr. Prof.Dr.H.P.Hartung
Universitätsklinikum Düsseldorf, Neurol.Klinik
Tel.: 0211-81-17880
44791 Bochum
Hr. Dr.S.K.Schimrigk
Ruhr-Universität, Neurologische Klinik
Tel.: 0234-509-2420
53567 Asbach
Hr. Prof.Dr.D.Pöhlau
Kamillus-Klinik, Abtg. Neurologie
Tel.: 02683-59-0
59457 Werl
Hr. S.Kreijenveld
Praxis Drs. (NL) Sybrandus Kreijenveld
Tel.: 02922-97 360
59846 Sundern-Hachen
Hr. Dr.M.Heibel
Sauerlandklinik Hachen, MS-Spezialklinik
Tel.: 02935-808-0
59846 Sundern-Langenscheid
Hr. Dr.Z.Mir
Klinik Dr. Evers
Tel.: 02935-807-0
60488 Frankfurt am Main
Hr. Prof.Dr.R.W.Janzen
Krankenhaus Nord-West
Tel.: 069-7601-3246 oder -47
61462 Königstein-Falkenstein
Fr. Dr.G.Japp
Asklepios Neurologische Klinik Falkenstein
Tel.: 06174-90 60 30
63739 Aschaffenburg
Hr. Prof.Dr.R.Schneider
Klinikum, Neurologische Klinik
Tel.: 06021-32-3050
65191 Wiesbaden
Hr. Dr.E.Lensch
Deutsche Klinik für Diagnostik, FB Neurologie
Tel.: 0611-577 321
66280 Sulzbach
Hr. Dr.M.Gawlitza
Knappschaftskrankenhaus, Abtg. Neurologie
Tel.: 06879-574-1131
66421 Homburg/Saar
Hr. Dr.S.Jung
Universität des Saarlandes, Neurologische Klinik
Tel.: 06841-1624-129
66821 Neunkirchen/Saar
Hr. Dr.V.Fischer
Städtisches Krankenhaus, Abtg. Neurologie
Tel.: 06821-18 27 01
70191 Stuttgart
Hr. Prof.Dr.H.Wiethölter
Bürgerhospital, Neurologische Klinik
Tel.0711-253-2401
71065 Sindelfingen
Hr. Prof. Dr.I.S.Neu
Städtisches Krankenhaus, Abtg. Neurologie
Tel.: 07031-98-2361/62
79106 Freiburg
Hr. PD Dr.S.Rauer
Universität Freiburg, Neurologische Klinik
Tel.: 0761-270-5308
85540 München
Hr. Dr.W.Büchele
Bezirkskrankenhaus München-Haar, Abtg. Neurologie
Tel.: 089-45 62 37 43
88477 Schwendi
Hr. Prof.Dr.E.Mauch
Fachklinik für Neurologie Dietenbronn
Tel.: 07353-989-0
89081 Ulm
Hr. Dr.H.Tumani
Universität Ulm, Klinik für Neurologie
Tel.: 0731-177-120
93053 Regensburg
Hr. Dr.A.Steinbrecher
Bezirkskrankenhaus Regensburg, Abtg. Neurologie
Tel.: 0941-941-3350
95326 Kulmbach
Hr. Dr. Kirchhoff
Klinikum - Abt. Anästhesiologie u. Intensivmedizin
Tel.: 09221-980
96049 Bamberg
Hr. Prof.Dr.P.Krauseneck
Nervenklinik, Neurologische Klinik
Tel.: 0951 - 954-1201
CH-4031 Basel
Hr: Prof.Dr.L.Kappos
Neurol.-Neurochirurg.Poliklinik, Kantonsspital Basel
Tel.: 0041- 61 265 44 64

|