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  10. Dezember 2018
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Multiple Sklerose / Schub / Untersuchung


Definition der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste neurologische Erkrankung, die im jungen Erwachsenenalter zu bleibender Behinderung und vorzeitiger Berentung führt.

 

Weltweit sind ca. 1 Mio. Menschen betroffen, in Deutschland werden 100.000-120.000 Erkrankte geschätzt. Die MS ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems mit unterschiedlicher Ausprägung von Demyelinisierung und axonalem Schaden. Unterschiedliche pathogenetische Muster der Entmarkung werden in Subgruppen von MSPatienten gefunden. Klinisch beginnt die MS bei über 80% der Patienten mit einem schubförmigen Verlauf. Unbehandelt kommt es bei ca. 40% der Patienten nach 10 Jahren zu einer sekundären Progredienz, d.h. einer schleichende Zunahme klinischer Symptome auch ohne eindeutigen Schub.

 

Nur ein geringer Anteil von Patienten hat im Verlauf der Erkrankung keine Schübe sondern beginnt bereits mit einer schleichenden Zunahme neurologischer Symptome. Dies wird als primär progredienter Verlauf bezeichnet. Übergangsformen wurden beschrieben.

 


Definition eines Schubes

Neue oder eine Reaktivierung bereits zuvor aufgetretener klinischer Ausfälle und Symptome, die subjektiv berichtet oder durch die Untersuchung objektiviert werden können und

 

a) mindestens 24 Stunden anhalten,

b) mit einem Zeitintervall von 30 Tagen zu vorausgegangenen Schüben auftreten und

c) nicht durch Änderungen der Körpertemperatur (Uhthoff-Phänomen) oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind.

 

Einzelne paroxysmale Episoden (wie z.B. tonische Spasmen) werden definitionsgemäß nicht als Schub eingeordnet. Multiple Episoden dieser Art mit einer Dauer von mehr als 24 Stunden werden jedoch ebenfalls als Schub angesehen.

 

Eine hohe Entzündungsaktivität (Frequenz der Schübe, MRT-Läsionen) in der Frühphase der Erkrankung sowie poly-symptomatischer Beginn mit früher Beteiligung pyramidaler oder cerebellärer Funktionssysteme und anhaltenden Defiziten ist signifikant häufiger mit einem prognostisch ungünstigem Krankheitsverlauf assoziiert.

 

Nach neuen, international anerkannten Kriterien (Mc Donald et al., 2001) kann die Diagnose einer Multiplen Sklerose bereits dann gestellt werden, wenn nach einem ersten Krankheitsschub mit klinisch nachweisbaren Auffälligkeiten in mindestens einem Funktionssystem der Liquor MS-typische Veränderungen (intrathekale IgG-Synthese) zeigt, sich 2 oder mehr charakteristische Läsionen im initialen MRT finden und im Verlaufs-MRT ( 3 Monate nach Schubereignis) mehrere entzündliche Herde in definierter Lage vorhanden sind, wovon mindestens einer Gadolinium anreichert ( Abbildung1).

 

Differentialdiagnostisch ähnliche Krankheitsbilder (z.B. Kollagenosen, Vaskulitis, Borreliose oder Sarkoidose) müssen ausgeschlossen sein.

 


Untersuchungen


Bei MS-verdächtigen Symptomen muss eine detaillierte klinisch-neurologische Untersuchung unter Einschluss einer differenzierten Visusprüfung und Berücksichtigung anamnestischer Angaben zu weiteren Funktionsbereichen (Blase, Darm, Sexualfunktion, Fatigue, kognitive Defizite) durchgeführt werden.

 

Eine Darstellung subklinischer Dissemination erfolgt durch Aufzeichnung evozierter Potentiale (VEP, SSEP, MEP und AEP) und kranieller Kernspintomographie mit Kontrastmittelgabe (Gadolinium).

 

Eine Kernspintomographie des Rückenmarks ist bei Verdacht auf spinale Beteiligung indiziert (Fazekas et al., 1999; Gass et al., 1999).

 

Die Liquoruntersuchung umfasst Zytologie, Albumin- und IgG Bestimmung nach dem Quotientenschema (Reiber-Felgenhauer-Diagramm), Nachweis oligoklonaler IgG-Banden im Liquor und ggf. Antikörper-Synthese-Index (ASI) für neurotrope Viren (Masern, Röteln, Zoster), sog. MRZ-Reaktion.

 

Differentialdiagnostisch müssen chronisch-infektiöse Erkrankungen (Neuro-Lues, Borreliose), Kollagenosen, Vaskulitiden und Sonderformen entzündlich-demyelinisierender Erkrankungen (z.B. Devic-Syndrom) ausgeschlossen werden.

 

Klinisch-neurologisches Syndrom, Anamese, Bildgebung, Liquorbefunde und elektrophysiologische Befunde sichern die Diagnose.

 


Leitlinien


Neue Leitlinie sichert Qualität bei Diagnose und Therapie

 

Stand: 2012

Die neuen Leitlinien behandeln die derzeit bekannten Therapiemöglichkeiten. Dazu wurde ein neues Stufenschema entwickelt. Die Leitlinie gibt konkrete Anwendungshinweise für die heute verfügbaren MS-Therapeutika.

Ebenfalls behandelt werden: MS und Schwangerschaft, Neuromyelitis optica, sowie andere besondere Fragestellungen bei Multipler Sklerose.

Ein eigenes Kapitel der Leitlinie widmet sich der symptomatischen Therapie.

 

Da die Leitlinie sehr umfangreich ist, ist es hilfreich, sich bei speziellen Fragestellungen am Inhaltsverzeichnis zu orientieren.

 

Die Leitlinie finden Sie hier:

 www.dmsg.de/dokumentearchiv/dgnkknms_msll_20120412_final.pdf