Multiple Sklerose
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Langzeit- Immuntherapie der Multiplen Sklerose- Richtig entscheiden

   

geladener Experte

Professor Dr. med. Hayo Schipper (HayoSchipper)

Nickname des Moderators

@os

Datum

08.11.2007

Professor Dr. med. Hayo Schipper ist Experte in diesem interessanten und informativen Chat zum Thema: Langzeit- Immuntherapie der Multiplen Sklerose- Richtig entscheiden.

   

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@os

Hallo :) Das Thema heute ist: Langzeit- Immuntherapie der Multiplen Sklerose- Richtig entscheiden mit Professor Dr. med. Hayo Schipper

@os

hallo ray :)

@os

fragt einfach drauflos wenn ihr mögt

ray

nickt zustimmend.

HayoSchipper

Therapie mit Medikamenten, welche das Immunsystem beeinflussen und dadurch den Langzeitverlauf der Erkrankung verändern.

Bernd

Meinen Sie dami Inerferone? z.B. Rebif, Avonex, Betaferon?

HayoSchipper

Ja, zusätzlich auch Copaxone, Mitoxantron, Tysabri, IVIG, Azathioprin usw.

@os

hallo Nanni :)

HayoSchipper

begrüßt alle.

Nanni

ich dachte, hier ist viel zuviel los!

Bernd

Also ich habe vor 3 Monaten mit ysabri begonnen. Avonex und Rebif habe ich aufgrund der Nebenwirkungen abgesetzt. Was halten Sie von T.

@os

dachte ich auch vorhin

@os

aber vielleicht kommen heute alle ein bisschen später

HayoSchipper

Gutes Medikament, aber nicht für Jeden.

Bernd

Ich dachte, daß ist DAS Medikament derzeit

Nanni

Wie ist das mit schwagerschaft und Tysabri? Mein Mann soll das bekommen. Kann das ein Prob. sein, oder sollte man vorher Samen einfrieren?

Bib

Mir brennt eine Frage auf den Nägeln: wie kann ich richtig entscheiden?

Bib

Vor allen Dingen: was ist richtig, was ist falsch?

HayoSchipper

Zu Bernd: Tysabri ist in der Basistherapie nur bei hochaktiven Verläufen zugelassen und in der Eskalationstherapie, wenn andere Medikamnete versagt haben, nur bei schubförmiger Verlaufsform. Es muss besonders sorgfältig im Hinblick auf Nebenwirkungen überwacht werden.

Bernd

Schon klar, wegen den PML-Fällen. Also ich hatte einen Tag nach der ersten Infusion leiche Kopfschmerzen. Bei den witeren Infus 0,0

Nanni

das ist doch toll

HayoSchipper

Zu Nanni: Die Auswirkungen von Tysabri auf eine Schwangerschaft sind weder bei Frauen noch bei Männern hinreichend untersucht. Samen einfrieren ist keine schlechte Idee, wenn man alles Risiken ausschalten möchte.

Nanni

ok, dann werden wir das versuchen

HayoSchipper

Zu Bernd: Gut, vertrauen Sie dem Medikament weiter, aber seien Sie wachsam in Bezug auf die notwendigen Kontrollen!

Bernd

Ich habe gelesen, dass bei Schwangerschaft Mitox weitaus gefährlicher ist. Ich habe Mitox wegen unserem Kinderwunsch abgelehnt, und es hat geklappt

HayoSchipper

Zu Bib: Ich verstehe Ihre Frage nicht ganz. Was müssen Sie entscheiden?

Nanni

ansonsten hört man ja von Tysabri wahre Wunderdinge - z.b. soll ein Betroffener wieder selbständig gehen können, obwohl er vorher im Rolli saß.

Nanni

Quelle: MS- Reporter

Bernd

Hallo Nanni: Ich halte das für getürkt, auch wenns toll wäre

Bib

ich nehme seit 6 jahren beta, habe das Gefühl, es nütz nix (progredienz schreitet voran), was ist nun die "richtige" entscheidung?

HayoSchipper

Zu Bernd: Mitox ist ein Chemotherapeutikum, welches wahrscheinlich die Mißbildungsrate erhöht, bleibende Unfruchtbarkeit verursachen kann und auch in der Muttermilch schädlich ist. Tysabri gehört nicht zu dieser Gruppe von Medikamenten, sondern zu den Antikörpern.

Nanni

stellt der Herausgeber der Website auch zur Diskussion- MS- Reporter

Nanni

@ Bernd

Bernd

ärgert sich.

Bernd

Hallo Bib: Kommt mir bekannt vor

Bib

eigentlich kann mir niemand einen rat geben, ich muss selber entscheiden

HayoSchipper

Zu Bib: Leiden Sie wirklich an einer von Anfang an chronisch fortschreitenden Verlaufsform oder sind auch Schübe aufgetreten?

Bib

Keine erkennbaren schübe

Bib

geht eben schleichend schlechter

Bib

aber niemand traut sich zu sagen, es ist ppms

Nanni

shit

Bib

erste symptome vor 21 jahren wurden als schub interpretiert, deshalb spms

Bernd

Bib, glaubst Du das

HayoSchipper

Zu Bib: Ich rate, Ihren Nervenarzt oder eine neurologische Klinik (MS-Ambulanz) aufzusuchen und die Frage einer Therapieänderung sorgfältig und individuell auf Sie bezogen zu klären. Das geht nicht per Chat, leider!

Bib

mich nervt beta an, aber ich habe das gefühl, was tun zu müssen

Bib

ok, so weit bin ich auch, aber was ist richti, was ist falsch?

Nanni

dann tu genau das, was der prof dir rät!

Bib

ich muss für mich und meinen körper entscheiden

HayoSchipper

Zu Bib: Richtig! Aber Sie benötigen fachkundigen Rat.

Bernd

Ja bib, das sehe ich auch so

Bib

ich bin nicht so arztgläubig

Nanni

eine neue Ist- Aufnahme bringt vielleicht neue Erkenntnisse

Nanni

auch für dich

stina

Hallo, das ist auch der Grund meiner Anwesenheit.

HayoSchipper

Zu Bib: Kein Arzt verlangt von Ihnen Gläubigkeit. Aber Sie sind es sich selbst schuldig, gut informiert zu sein, um dann fundiert entscheiden zu können.

@os

frag einfach drauflos stina ;)

Nanni

ich glaube, die sitzen alle oder müssen zu dem 2. Teil des " Contergan" - Films im TV :-(

stina

okay. mich interessiert insbesondere die Dauer der Nebenwirkungen und welche Erfahrungen gemacht wurden.

HayoSchipper

Zu Stina: Bei welchem Medikament?

stina

lächelt.

stina

avonex, ... sorry, vergessen

stina

ich nehme das Medikament bereits seit 3 Jahren und habe immer noch mit Gliederschmerzen und insbesondere Kopfschmerzen und "Dösigkeit" am Folgetag zu kämpfen. 0,5 bis 1 Jahr nach Therapiebeginn ist das zu argumentieren, aber die Perspektive hat sich nicht zu 100% gelichtet.

Bernd

As ich persönlich halte Avonex für eine Einstiegs-"Droge"

stina

was meinst du damit genau?

Bernd

Entschuldigt bitte meine Rechtschreibfehler

Nanni

@ stina: hast du mal Kontakt mit den MS- Schwestern = Nurses der Firma Biogen augenommen. Das kostet nichts und vielleicht kannst du schon bei der Injektion Nebenwirkungen vermeiden

@os

klar machen wir Bernd ;)

HayoSchipper

Zu Stina: Grippeähnliche Nebenwirkungen treten auch bei Avonex auf, wie bei den beiden anderen Interferonen, jedoch nur einmal pro Woche. Sie können in unterschiedlicher Intensität auftreten, bei einzelnen Betroffenen tritt kein Gewöhnungseffekt auf. Wenn die Quälerei zu stark ist, muss man auf eine andere Substanzklasse wechseln, z.B. Copaxone. Das muss in Abhängigkeit von der Wirkung auf die Erkrankung entschieden werden.

Bernd

Stina, Avonex nimmt man, soweit ich weiß die erste Zeit nach Ausbruch der MS

stina

ja, die hatte ich bereits zur Schulung zu Besuch, aber die Unterschiede bei den Schwestern sind riesig. ich persönlich denke, dass die Tipps eher "technischer" Natur sind.

HayoSchipper

Der Vorschlag von Nanni ist gut.

Nanni

seit wann ist Avonex das Mittel der " ersten Stunde"?

stina

in Langzeitstudien ist Avonex das non plus ultra, auch was die mögliche Entwicklung von Antikörpern und die Verstoffewechselung / Leberverträglichkeit betrifft. Das Präparat selber schlägt auch sehr gut an. dass man bei der Injektion selber aber schon "präventiv" sein kann, ist mir neu: da mache ich mich doch gleich mal schlau!

HayoSchipper

Zu Bernd: Die Dauer der Avonex-Therapie hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab, nicht davon ob die Erkrankung im Anfangsstadium ist.

Bernd

Sie sind der Fachmann! Korrektur: persönliche Meinung (Einstiegsdroge)

stina

avonex und rebif sind bei einem schubförmigen Verlauf meist die erste Empfehlung, aberhängig vom Arzt und der "Spritzfähigkeit" des Patienten. erst wenn der Körper dies nicht mag / es nicht anschlägt / die Nebenwirkungen bei beinden zu heftig sind, rät man zu anderen Präparanten.

Nanni

Ich lese in letzter Zeit immer: Immunmodulation so früh wie möglich, und dann auch " volle Kanone"

HayoSchipper

Zu Nanni: Frühtherapie = Therapiebeginn nach dem ersten MS-Schub ist dann angezeigt, wenn sich im MRT ein besonders aktiver Verlauf abzeichnet oder wenn eine Kortison-Stoßtherapie den ersten Schub nicht ausreichend bessert.

Nanni

muss dazu sagen: bin selbst nicht betroffen, aber mein Mann:-(

Bernd

Apropos Kortison: Wie sind da die Langzeitfolgen?

stina

Nanni: die aktuelle Studienlage spricht m.W. für einen frühen Therapiebeginn. schwierig ist nur die Frage, ob man dies wirklich will. schliesslich ist jeder Verlauf so individuell, dass er auch beinah nicht spürbar sein kann. die Frage, die man sich stellen muss, ist, ob man das Risiko der verminderten Lebensqualität (entweder durch MS oder durch die Medikamente) eingehen möchte und welches das schlimmere Übel wäre. sehr hyphotetisch, I know.

Nanni

z.B Osteoporose!!

HayoSchipper

Zu Nanni: Als Partnerin sind Sie von dieser chronischen Erkrankung unweigerlich mitbetroffen.

Nanni

na klar

Nanni

aber gerade deshalb informieren wir uns so gut es geht, und da ist ein solcher chat sehr wertvoll

HayoSchipper

Zu Stina: Die Grundsätze, nach denen eine Frühtherapie begonnen werden soll, sind klar definiert, gerade um unnötige Behandlungen bei günstiger Verlaufsform zu vermeiden.

Nanni

nur so kann man hinter die kulissen schauen

ray

sagt allen Tschüss.

stina

zu HS: ich kenne diese Grundsätze nicht, mir wurde aber umgehend nahe gelegt, mich zu einer Therapie zu entscheiden. können Sie mir vielleicht einige Punkte nennen?

HayoSchipper

Zu Bernd: Kortison kann z.B. zu folgenden Langzeitnebenwirkungen führen: Osteoporose, Diabetes, Gewichtszunahme, Schwangerschaftstreifen, grauer und grüner Star, Damenbart. Akute Nebenwirkungen sind dabei noch gar nicht erwähnt.

Nanni

Mal ganz was anderes: Prof Schipper: was halten Sie von Imurek?

Nanni

muss man nicht spritzen

HayoSchipper

Zu Stina: Ich denke, Sie nehmen Avonex und haben Ihre MS schon mehrere Jahre?

stina

zu HS: ja, das stimmt. aber mir war nicht bewußt, dass es auch Gründe gibt, die nach / bei einer Diagnose gegen eine Behandlung sprechen

Bernd

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit und viel Gesundheit

@os

machs gut Bernd :)

HayoSchipper

Zu Nanni: Schwierige Frage: Offiziell zugelassen bei schubförmiger Verlaufsform. Heute nur noch in zweiter Wahl empfohlen, wenn eine Basistherapie mit Interferonen oder Copaxone nicht möglich ist oder abgelehnt wird. Wer Imurek mit gutem Erfolg nimmt und es verträgt, sollte es weiternehmen. Aber: Überwachung auf Nebenwirkungen!

Nanni

Wo ist der grundlegende Unterschied zu Interferonen- Inurek?

Nanni

Imurek

stina

zu nanni: die Langzeitnebenwirkungen sind schwierig, bei Transplantierten soll das Medikament schon zu Hautkrebs geführt haben.

Nanni

bin der Meinung, dass " Immunmodulation" nur ein harmloseres Wort für Immunsupesion ist. Darauf zielt die Frage.

Nanni

das umfasst auch Cop.

HayoSchipper

Die Krebsgefährdung von Imurek ist in den verwendeten Dosen nicht sehr hoch, aber nicht zu vernachlässigen und erfordert sorgfältige Überwachung. Auch das Blutbild muss sorgfältig kontrolliert werden und die Dosis von Imurek danach ausgerichtet werden. Natürlich ist Imurek ein Immunsuppressivum (Cop nicht).

Nanni

und wo ist der grundlegende Unterschied zwischen Immunsupression und Immunmodulation?

stina

mal ganz ehrlich aus Patientensicht: das würde ich nicht anrühren. so würde man ein Übel mit einem eventuell größeren bekämpfen und sein Immunsystem vollends offen legen.

HayoSchipper

Zu Nanni: Bei der Immunsuppression greift die Substanz an verschiedenen Stellen des Immunsystems an und unterdrückt (überschießende) Funktionen. Bei der Immunmodulation wird die Immunreaktion nur an einzelnen, enstcheidenden Stellen dämpfend verändert.

Nanni

also: Immunmodulation ein " Minus" zur Immunsupression, aber im Prinzip das gleiche?

HayoSchipper

Zu Nanni: Beides beeinflußt das Immunsystem und die Krankheit. Die entscheidende Frage ist: wieviel Krankheitsdämpfung muss ich mit welchen Nebenwirkungen erkaufen?

Nanni

heißt das, dass im Ergebnis mit Imurek der bessere MS- Behandlungserfolg möglich ist, als mit Interferonen- mit der Gefahr verstärkter Nebenwirkungen o äh. ?

HayoSchipper

Zu Nanni: Nein, es existieren keine Vergleichsstudien zu Imurek und Interferonen. Grob geschätzt kann man wahrscheinlich von durchschnittlich gleicher Wirkung ausgehen, aber selbst dies wird teilweise angezweifelt. Wie die individuelle Wirkung sein wird und welche Nebenwirkungen auftreten, kann im Einzelfall nicht vorausgesagt werden.

@os

machs gut Moni :)

Nanni

Das heißt für mich im Klartext: es gibt ein orales MS- Medikament, das zumindest im Einzelfall genau so wirksam ist, wie die Immunmodulatoren.( Interferone und Cop)

Nanni

Mangels Vergleichsstudien

Nanni

Toll

HayoSchipper

Zu Nanni: Und als Immunsuppressivum erhöht es die Mißbildungsrate geringfügig und die Fehlgeburtsrate etwas deutlicher!

Nanni

Das ist zwar für uns ein Thema, aber bei weitem nicht für die Mehrzahl der Betroffenen

Nanni

soll heißen: Studien: Rebif oder Betaferon Höher dosiert gegen Cop. und gegeneinander: Hornberger Schießen! Aber gegen ein bestehendes orales Medikament? Fehlanzeige. Warum nur?

HayoSchipper

Zu Nanni: Das Problem des Imurek ist, dass keine wirklich sauberen, überzeugenden Studien existieren, bei nicht zu vernachlässigenden Nebenwirkungen. Unter diesen Umständen muss das Präparat zwiete Wahl bleiben.

HayoSchipper

Wenn jetzt keine weiteren Fragen mehr sind, sage auch ich Tschüss. Mein Buch, in dem alle diese Frage beantwortet sind, ist für DMSG-Mitglieder des LV NRW kostenlos zu bestellen.

@os

gibts es noch fragen? von mir schon einmal vielen herzlichen Dank Herr Professor Schipper für den klasse chat

Nanni

Prof. Schipper, danke für den spannenden Chat-- aber das mit der Studienlage find ich traurig, zumal für die neuen oralen Medis kräftig die Trommel gerührt wird

HayoSchipper

Zu Nanni: Aber auch die müssen vorher wirklich sorgfältig geprüft werden.

HayoSchipper

Schönen Abend noch, @os!

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