Multiple Sklerose
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- 04.11.2008


Schuppenflechte-Medikament mildert Multiple-Sklerose-Schübe

 


Fumarsäure: Hoffnung auf verträgliches Medikament

Ein zehntausendfach erprobtes Medikament, das standardmäßig gegen Schuppenflechte eingesetzt wird, ist auch wirksam bei Multipler Sklerose (MS). Das ergab eine Studie an 257 MS-Patienten, die unter Leitung von Prof. Dr. Ralf Gold (RUB-Neurologie St. Josef Hospital) und seinem Basler Kollegen Prof. Dr. Ludwig Kappos durchgeführt wurde. Der Wirkstoff Fumarsäure beeinflusst das Immunsystem so, dass bei MS-Patienten über 70 Prozent weniger neue Entzündungsherde im Gehirn und etwa ein Drittel weniger Schübe auftraten. Darüber berichten die Forscher im Journal "The Lancet".
Demnächst starten dazu zwei weltweite klinische Studien mit über 2.000 Patienten.

Hautärzte gaben den entscheidenden Tipp

Die Fumarsäure, von einem selbst an Schuppenflechte (Psoriasis) erkrankten Biochemiker durch Selbstbehandlung in die Therapie der Psoriasis eingeführt, ist bis heute die meist verwendete Therapie bei schwerer Schuppenflechte in Deutschland. Die Schuppenflechte ist wie die Multiple Sklerose eine Autoimmunkrankheit, bei der sich die Immunabwehr gegen körpereigene Zellen richtet. Bei MS wird so die "Isolierschicht" der Nervenzellen zerstört. Die Fumarsäure beeinflusst das Immunsystem bei Schuppenflechte positiv - eine Tatsache, auf die der Direktor der Bochumer Universitätshautklinik, Prof. Dr. Peter Altmeyer, zu Beginn des Jahrzehnts seinen Kollegen Prof. Dr. Horst Przuntek, damals Direktor der Neurologischen Klinik der RUB am St. Josef-Hospital, hinwies. In Bochum startete Dr. Sebastian Schimrigk danach eine erste kleine Studie mit zehn in der RUB-Klinik behandelten MS-Patienten.

Hochaktive Substanz

Unabhängig davon begann zeitgleich Prof. Dr. Ralf Gold, damals noch beschäftigt am MS-Institut in Göttingen, mit Untersuchungen zur Fumarsäure-Wirkung am Tiermodell. Sowohl die kleine Anwendungsbeobachtung bei Patienten in Bochum als auch die tierexperimentellen Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Fumarsäure eine hochaktive Substanz zur Behandlung der schubförmigen MS sein könnte.

Neuer Wirkmechanismus

Neueste Ergebnisse von Dr. Ralf Linker aus der RUB-Neurologie sprechen nun dafür, dass Fumarsäure über einen zellulären Transkriptionsfaktor Nrf2 Nervenzellen schützt - ein neuer Wirkmechanismus. "Damit wäre diese Substanz eine der ersten, die bei der Therapie der Multiplen Sklerose so genannte Neuroprotektion vermittelt", so Prof. Gold. "Auch würde sie sich optimal für eine Kombinationsbehandlung zum Beispiel mit Interferonen eignen, weil sie die Wirkungen gegenseitig ergänzen." Die Bochumer Neurologen hoffen, dass die nun beginnenden Therapiestudien sowie die experimentellen Daten die Therapie der MS weiter verbessern werden. "Besonderer Dank gebührt dabei den Dermatologen!", unterstreicht Prof. Gold.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft


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