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- 04.06.2014


Der Grat zwischen Medizin und Ökonomie – Neurologen beziehen Stellung

 


Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gibt als erste medizinische Fachgesellschaft in Deutschland ihren Mitgliedern Handlungsrichtlinien an die Hand – für Fälle, in denen ökonomische Interessen die Therapiefreiheit beeinträchtigen. Gleichzeitig formuliert die Gesellschaft Regeln für ihr eigenes Verhalten.
Zu diesem Zweck hatte ein Komitee Anfang 2013 seine Arbeit aufgenommen. Die Ergebnisse fanden Eingang in die Handlungsrichtlinien und wurden vom Vorstand verabschiedet.

Empfehlungen für Ärzte – klare Statements an die Öffentlichkeit:
„Auch wenn die Verantwortung ärztlich-ethischen Handelns bei jedem Einzelnen liegt, muss die Deutsche Gesellschaft für Neurologie als Vertreterin von nahezu allen neurologischen Kolleginnen und Kollegen zu systemischen Entwicklungen im Gesundheitswesen klar Stellung beziehen“, so Professor Martin Grond aus Siegen, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

„Als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft beschäftigen wir uns zwar vornehmlich mit der Evidenz von Therapien. Die Handlungsrichtlinien sind aber nötig, weil wir sehen, dass unsere wissenschaftlich fundierten Empfehlungen durch ökonomische Zwänge und Einflussnahmen die Patienten nicht immer erreichen.“
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat als Fachgesellschaft ihren Mitgliedern Empfehlungen an die Hand gegeben, sich selbst eigene Regeln und ebenfalls Politik und Öffentlichkeit klare Signale gegeben, so der Leiter des Komitees, Professor Günther Deuschl. Die um sich greifende Praxis von leistungsabhängigen Komponenten in Verträgen leitender Mediziner führt bisweilen zu einem erhöhten ökonomischen Einfluss auf die Behandlungsentscheidungen der Ärzte. Diese und andere Entwicklungen werden in den Handlungsrichtlinien identifiziert und bewertet.

Regeln für die medizinische Fachgesellschaft:
„Ob im Fall von Spenden, bei der Erstellung neurologischer Leitlinien, der Durchführung von Kongressen oder der Zusammenarbeit von Führungskräften der Deutschen Gesellschaft für Neurologie mit der Industrie – wir haben jetzt auch für die Fachgesellschaft selber einen mit den Mehrheitsmeinungen unserer Mitglieder konsentierten Weg eingeschlagen – die Handlungsrichtlinien sind unsere Leitplanken", so Professor Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr-Universität Bochum.

Ein Beispiel ist die Diskussion um die Beteiligung von Industrieunternehmen auf dem jährlichen DGN-Kongress im Rahmen einer begleitenden Fachmesse oder in Form von Industriesymposien. Einerseits sind Unternehmen die maßgeblichen Treiber neuer therapeutischer Entwicklungen und haben damit auf einem wissenschaftlichen Kongress ihren Platz und ihre Berechtigung. Andererseits hat die Fachgesellschaft gemeinsam mit der Industrie in Round Table-Gesprächen einen Verhaltenskodex herausgegeben, welche Aktivitäten erlaubt sind – und wann die Grenzen überschritten sind.
„Es geht nicht darum, ob Ärzte mit der Industrie zusammenarbeiten, sondern wie – nämlich auf Augenhöhe, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten und zum Wohl der Patienten“, betont Professor Günther Deuschl. „Die Handlungsrichtlinien sind ein erster, aber bedeutender Schritt, um in diese Zusammenarbeit endlich die berechtigterweise geforderte Transparenz zu bringen.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)


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