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- 03.12.2014


Restless Legs Syndrom: Erste zugelassene Therapieoption mit einem Opioid vorgestell

 


"Obwohl die Wirksamkeit von Opioiden in der Therapie des Restless Legs Syndroms (RLS) in der Praxis erwiesen ist und ihr Einsatz bei unzureichendem Ansprechen auf Dopaminergika oder Komplikationen von der S1-Leitlinie empfohlen wird, konnten sie bis vor kurzem nur off label eingesetzt werden."
Dies berichtete Prof. Magdolna Hornyak, Neurologin und Schmerztherapeutin, Erding. "Doch nun steht seit Mai 2014 für RLS-Patienten, die auf eine dopaminerge Therapie nicht ausreichend ansprechen, mit der Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin®) ein Opioid in label zur Verfügung." Targin® ist das bisher einzige zugelassene Opioid zur Therapie des schweren bis sehr schweren idiopathischen RLS nach Versagen der dopaminergen Therapie. Wirksamkeit und Verträglichkeit von retardiertem Oxycodon/Naloxon beim RLS sind sowohl in einer 12-wöchigen placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie als auch in einer 40- wöchigen offenen Extensionsphase mit insgesamt 304 Patienten belegt.

"Das Krankheitsbild Restless Legs Syndroms (RLS) wurde früher als "the most common disorder you have never heard of‘ beschrieben", berichtete Prof. Hornyak. Möglicherweise läge dies daran, dass die Symptome nachts und in Ruhe auftreten und die Patienten beim Arzt überwiegend über den gestörten Schlaf und deren Folgen berichten, so Prof. Hornyak weiter. Dabei zeigten zahlreiche epidemiologische Untersuchungen, dass das RLS zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen zählt. Etwa 3 bis 10% der Deutschen leiden am RLS und bei schätzungsweise 1 bis 2% der Bevölkerung führen die Symptome zu Beeinträchtigung im Alltag. Frauen sind ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter an.

RLS-Patienten leiden typischerweise an einem erheblichen Bewegungsdrang, der meist begleitet wird von unangenehmen bis quälenden Missempfindungen in den Beinen wie Kribbeln, Brennen, Stechen, Ziehen oder Reißen. Bei fortschreitender Erkrankung können auch die Arme oder andere Körperteile betroffen sein. Hauptsächlich treten die Symptome in Ruhesituationen, vor allem am Abend und in der Nacht, auf. Bei Bewegung bessern sich die Symptome. Patienten leiden oft an Ein- und Durchschlafstörungen, und den Folgen des Schlafdefizits wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Erschöpfungszuständen.

RLS mindert die Lebensqualität der Patienten signifikant. Die Diagnose RLS könne anhand von vier Minimalkriterien gestellt werden: Bewegungsdrang in den Beinen (meist verbunden mit Parästhesien); die Beschwerden treten hauptsächlich abends und nachts auf; sie verschlimmern sich in Ruhe; durch Bewegung der Beine lassen sich die Symptome vorübergehend lindern. Es handele sich um eine klinische Diagnose, daher sei eine ausführliche und gezielte Anamnese als Basis der Diagnostik unerlässlich, stellte Prof. Hornyak fest.

Symptomlinderung als Therapieziel bei idiopathischem RLS:
RLS kann in der primären (idiopathischen) und der sekundären Form auftreten. Beim primären RLS scheint eine genetische Prädisposition eine große Rolle zu spielen. Sekundäres RLS kann durch andere Grunderkrankungen wie Eisenmangel und Urämie
infolge einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz oder durch Medikamente (z.B. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) induziert oder verstärkt werden. Entsprechend sei auch die Therapie ausgerichtet, so Prof. Hornyak: "Wichtig ist es, behandelbare Ursachen der Erkrankung auszuschließen bzw. diesen entgegenzuwirken, das gilt vor allem für Patienten mit Eisenmangel."

Das RLS kann bislang nur symptomatisch behandelt werden. Dies bedeutet für den Patienten, dass er die entsprechende Medikation kontinuierlich einnehmen muss. Für die Behandlung von intermittierenden RLS-Symptomen wird weiterhin eine Therapie mit L-Dopa empfohlen, berichtete Prof. Hornyak. Diese sei aber bei mittelschwerem und schwererem RLS nicht ausreichend wirksam, zudem kann es zur Augmentation kommen. Augmentation wird als die schwerste Nebenwirkung der dopaminergen Therapie beim RLS angesehen. Es handelt sich dabei um eine Symptomprogression, bei der die Symptome bereits früher im Tagesverlauf auftreten und/oder sich auf andere Körperregionen, z.B. die Arme, ausweiten können. "Für mittelschweres und schweres RLS sind die Dopaminagonisten weiterhin die Therapie der ersten Wahl", berichtete Prof. Hornyak. Doch könnten bei dieser Substanzgruppe in der langfristigen Anwendung ebenfalls Probleme auftreten, die einen Medikamentenwechsel notwendig machen. Dazu zählten neben der Augmentation etwa unzureichende Wirkung durch Fortschreiten der Erkrankung sowie andere substanzbezogene Nebenwirkungen. Für diese Patienten stünde nun eine zugelassene Alternative zur Verfügung: die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin®). Targin® ist das erste in Deutschland zur Therapie des schweren bis sehr schweren idiopathischen RLS zugelassene Opioid nach Versagen der dopaminergen Therapie. Opioide seien in den vergangenen Jahren bereits außerhalb ihrer Zulassung für die Behandlung von RLS eingesetzt und ihre Wirksamkeit demonstriert worden. Die Wirksamkeit von Oxycodon und retardiertem Naloxon konnte in der aktuell publizierten internationalen randomisierten Studie belegt werden.

Targin® ist eine Kombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon im fixen Verhältnis 2:1. Es ist zur Secondline-Therapie des schweren bis sehr schweren idiopathischen Restless Legs Syndroms zugelassen, das mit dopaminergen Arzneimittelnnicht ausreichend behandelt werden kann. Dies umfasst, dass eine Behandlung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten nicht ausreichend wirksam ist, nicht gut vertragen wird oder zu starken Nebenwirkungen bis hin zur Augmentation führt.

Quelle: journalMED


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