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- 02.06.2015


Dem Geheimnis der Resilienz auf der Spur – Wunderwaffe gegen Stress und Krisen

 


Warum verkraften einige Menschen seelische Belastungen, Stress, Dauerdruck oder traumatische Erlebnisse besser, während andere verzweifeln und psychisch krank werden? Welcher Fähigkeiten bedarf es, um aus Krisen gestärkt hervorzugehen?
Die Tatsache, dass einige Menschen wie Stehaufmännchen auch nach großen psychischen Belastungen schnell wieder auf die Füße kommen, lässt vermuten, dass ihre mentalen Schutz-und Selbstheilungsmechanismen einfach besser funktionieren. Diese seelische Widerstandskraft wird Resilienz genannt und gilt als Wunderwaffe im Kampf gegen stressbedingte psychische Störungen. Denn wer gelernt hat, Herausforderungen erfolgreich zu meistern, wird auch in Zukunft ähnliche Situationen besser bewältigen können. Psychologen, Neurowissenschaftler und Mediziner arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, dem Geheimnis der Resilienz auf die Spur zu kommen und daraus wirksame Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung seelischer Krisen zu entwickeln.

Diese Entwicklung ist noch relativ neu. Lange Zeit hat sich die klinische Forschung in Psychiatrie und Psychotherapie stark an den Krankheitsbildern orientiert und sich weniger um die Prävention gekümmert. Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Sucht haben aber häufig lange Vorlaufzeiten, in denen chronische Stresssituationen oder kritische Lebensereignisse die seelische Belastbarkeit der Betroffenen Stück für Stück aushöhlen. Hier könnte ein präventives Resilienztraining frühzeitig ansetzen und die Entwicklung einer Krankheit im Keim ersticken.

„Alle Volkskrankheiten sind auch wesentlich in Umwelteinflüssen begründet, wie Lebensstilen, Erziehung, frühkindlichen Erfahrungen bzw. Traumen und aktuellen Belastungen. Hier setzt Resilienz ein, denn der Umgang und die Bewältigung solcher Erlebnisse kann psychotherapeutisch so trainiert werden, dass die häufigen seelischen Folgestörungen nicht auftreten. Optimismus, Bewältigungskompetenzen und Selbstwirksamkeit sind beispielhafte krankheitsvermeidende Strategien. Diese müssen wir aber vor der Krankheitsmanifestation, also präventiv zu Aufbau und Stärkung von Resilienz einsetzen“, erklärt Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Sicher scheint heute zu sein, dass Resilienz eine Fähigkeit ist, die jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens aufbauen und trainieren kann – unabhängig von seiner genetischen Veranlagung. Dabei geht es vor allem um hilfreiche psychologische Faktoren wie positives Denken und die Fähigkeit, flexibel auf belastende Lebensereignisse zu reagieren. Es macht einen großen Unterschied, ob ich mit meinem Schicksal hadere und mich als hilfloses Opfer sehe, oder ob ich die Situation akzeptieren und mich auf ihre Lösung konzentrieren kann. Weitere Merkmale von Resilienz sind die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und Impulse kontrollieren und ein tragfähiges Netz aus sozialen Bindungen aufbauen zu können.

Diese psychologischen Schutzmechanismen für die seelische Gesundheit sind mittlerweile gut erforscht und anerkannt. Entsprechende Methoden werden in der Stressbewältigung schon seit langem erfolgreich angewandt. So können in speziellen Resilienztrainings wie dem MBSR Programm nach Jon Kabat-Zinn kognitive Umstrukturierung und achtsame Selbstbeobachtung im Alltag eingeübt werden. Auch regelmäßige Meditation und Konzentrationsübungen aus dem Zen-Buddhismus haben eine positive Wirkung auf unsere geistigen Fähigkeiten und die innere Widerstandskraft.

Am europaweit ersten Resilienz Zentrum an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz arbeiten seit letztem Jahr fachübergreifend Neurowissenschaftler, Mediziner und Psychologen an der neurobiologischen Erforschung der Resilienz. Ziel des Forscherteams ist es, ihre grundlegenden Mechanismen zu entdecken und das Gehirn als zentrales Resilienzorgan zu begreifen. Die entscheidende Frage dabei lautet, welche Prozesse festlegen, wie das Gehirn eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Reiz bewertet. „Wir wollen verstehen, welche Vorgänge im Gehirn Menschen dazu befähigen, sich gegen die schädlichen Auswirkungen von Stress zu schützen und wie diese Resilienzfaktoren gezielt trainiert und langfristig verstärkt werden können“, so Professor Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und stellvertretender Sprecher des Deutschen Resilienzzentrums.

Quelle: Aktionsbündnis Seelische Gesundheit


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