Multiple Sklerose
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- 09.06.2015


Stellenwert der MRT-Verlaufskontrolle für die Therapie der Multiplen Sklerose

 


Die enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Radiologen ist wichtiger Bestandteil einer optimalen Verlaufskontrolle und Früherkennung von Krankheitsaktivität bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Dies zeigen aktuelle Daten, die auf dem Kongress der American Academy of Neurology (AAN) in Washington vorgestellt wurden. Die Interpretation der Bilder aus der Magnetresonanztomografie (MRT) spielt im Zusammenhang mit der klinischen Situation der Patienten eine große Rolle für die Beurteilung der aktuellen Therapie. Um Neurologen und Radiologen im praktischen Alltag zu unterstützen, werden derzeit in Kooperation mit Biogen MRT-Workshops in mehreren deutschen Städten durchgeführt. Ziel ist die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Facharztgruppen und der Versorgung von Menschen mit MS.

Der Einsatz einer möglichst effektiven und individuellen Therapie ist bei multipler Sklerose besonders wichtig, da jeder Schub das Risiko für irreversible Behinderungen erhöht. Insbesondere in der Frühphase der Erkrankung (EDSS > 3) besteht zudem ein therapeutisches Zeitfenster, in dem die MS-Therapie offenbar besonders wirksam ist. Zeigen Menschen mit MS unter der Basistherapie weiterhin eine Progression, ist daher die Umstellung auf eine hochwirksame Therapieoption angezeigt. Hierfür stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, unter anderem der a4-Integrin-Inhibitor Natalizumab (Tysabri®).

Aufgrund der weitreichenden Folgen von Schüben für den Langzeitverlauf der Erkrankung und die Lebensqualität von Menschen mit MS nimmt die MRT einen hohen Stellenwert im Patientenmanagement ein. Dies liegt auch an den sich wandelnden Therapiezielen. Das aktuelle Ziel "Freiheit von klinischer und messbarer Krankheitsaktivität" (NEDA, no evidence of disease activity) ist definiert durch Schubfreiheit, Abwesenheit von klinisch messbarer Behinderungsprogression und das Fehlen von Hinweisen auf Gd+-Läsionen sowie auf neue oder vergrößerte T2-Läsionen. Bei der zuverlässigen Beurteilung dieser Parameter ist der regelmäßige Einsatz von Magnetresonanztomografie in Abständen von sechs bis zwölf Monaten hinsichtlich Therapiesteuerung und Monitoring sinnvoll. Die Aussagekraft der MRT-Bilder hängt dabei entscheidend von der Vergleichbarkeit der Bilder im Verlauf ab.

AAN-Kongress: Therapieoptimierung bei hoher Krankheitsaktivität:
Ein Ziel der MS-Verlaufskontrolle ist die Beurteilung der Krankheitsaktivität. Der Nachweis von aktiven Läsionen binnen sechs bis neun Monaten kann beispielsweise ein zuverlässiger Prädiktor für Schubereignisse innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre sein. Daher ist es sinnvoll, rechtzeitig über eine Anpassung der Therapie nachzudenken.

Eine retrospektive Analyse der AFFIRM-Daten belegt, dass 37 Prozent der Patienten unter der Behandlung mit Natalizumab und 7 Prozent unter Placebo über einen Zeitraum von zwei Jahren das Therapieziel NEDA erreichten. Auf dem AAN-Kongress präsentierte Studienergebnisse stärken den Einsatz von MRT zur Verlaufskontrolle, um Patienten einen rechtzeitigen Therapiewechsel zu ermöglichen: So zeigte eine Analyse der STRATA-Studie (Safety of Tysabri Redosing and Treatment), dass sich das Erreichen von NEDA innerhalb von zwei Jahren positiv auf den weiteren Therapieverlauf auswirken kann. Nach etwa acht Jahren wiesen Patienten, die in der AFFIRM-Studie unter Natalizumab NEDA erreichten, signifikant geringere jährliche Schubraten auf. Zudem verbesserten sich die Raten an Behinderungsprogression und Behinderungsregression stärker als bei Patienten der AFFIRM-Studie, die unter Natalizumab weiterhin Anzeichen einer Krankheitsaktivität zeigten. Auch radiologisch zeigen sich Vorteile der langfristigen Behandlung mit Natalizumab: Von insgesamt 268 Patienten bildeten sich von Jahr 5 auf Jahr 6 der Natalizumab-Therapie bei nur 2,2 Prozent (262/268) neue oder sich vergrößernde T2-Läsionen, bei 0,7 Prozent (266/268) sich vergrößernde T1-Läsionen. Dabei verringerte sich das Hirnvolumen bei 71 Prozent der Patienten um weniger als 0,4 Prozent und bei 46 Prozent um weniger als 0,2 Prozent und ist somit vergleichbar mit den Werten in einer Normalpopulation.

Daten unterstützen den Wechsel zu Natalizumab:
Aktuelle Daten aus dem Tysabri® Observational Program (TOP) zur Betrachtung von Patienten in Behandlung mit Natalizumab legen nahe, dass ein Wechsel von der Therapie mit Fingolimod auf Natalizumab eine wertvolle Option sein kann. Ein Vergleich der jährlichen Schubraten ein Jahr vor Beginn der Therapie mit Natalizumab und im Jahr danach zeigte, dass die mittlere jährliche Schubrate signifikant gesenkt werden kann (von 2,09 auf 0,43; p < 0,0001), und das bei stabilem Behinderungsgrad: Die Wahrscheinlichkeit, im ersten Behandlungsjahr unter Natalizumab eine Verschlechterung bzw. Verbesserung zu erleben, lag bei 1 Prozent bzw. 12 Prozent. Im Beobachtungszeitraum wurden keine Fälle einer Progressiven Multifokalen Leukenzephalopathie (PML) beobachtet.

In einer bereits früher publizierten Analyse konnte gezeigt werden, dass ein Wechsel von der Basistherapie zu Natalizumab im Vergleich zu Fingolimod Vorteile bietet: In der Beobachtung konnten 407 Patienten nach Versagen der Basistherapie auf Natalizumab und 171 Patienten auf Fingolimod eingestellt und analysiert werden. Die retrospektiv erhobenen Daten stammen aus dem weltweit größten MS-Register "MSBase" und bestehen aus Patienten mit vergleichbaren Baseline-Charakteristika. Die jährliche Schubrate reduzierte sich von 1,5 auf 0,2 Schübe pro Jahr in der Natalizumab-Gruppe, im Vergleich dazu in der Fingolimod-Gruppe von 1,3 auf 0,4 (p = 0,002). Nach dem Switch zu Natalizumab war die Rate einer nachhaltigen Behinderungsregression im Vergleich zu Fingolimod (p < 0,001) um 2,8-mal höher. Die Autoren schlussfolgern, dass die Umstellung auf Natalizumab hinsichtlich Verringerung der Schubrate und der Belastung durch Behinderung effektiver ist als die Umstellung auf Fingolimod.

Therapiemanagement unter Natalizumab:
Nach einem Therapiezeitraum von zwei Jahren kann unter der Therapie mit Natalizumab das Risiko für eine Progressive Multifokale Leukenzephalopathie erhöht sein. Das erhöhte Risiko ist mit drei Faktoren verbunden: mit dem Vorhandensein von Anti-JCV-Antikörpern im Blut, einer Therapiedauer mit Natalizumab von mehr als zwei Jahren sowie einer immunsuppressiven Vortherapie.

Für die Früherkennung dieser zwar seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkung werden eine regelmäßige und konsistente MRT-Befundung sowie ein regelmäßiger Arzt-Patienten-Kontakt empfohlen. Die Verläufe sind dabei einer Studie zufolge signifikant günstiger bei Patienten, deren Erkrankung mittels MRT bereits im asymptomatischen Zustand erkannt wurde. Radiologen empfehlen daher für Anti-JCV-positive MS-Patienten ein modifiziertes MRT-Untersuchungsprotokoll, das im Abstand von drei Monaten durchgeführt werden kann.

Quelle: JournalMED


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