Multiple Sklerose
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- 15.07.2015


Bei Multiple Sklerose die gestörte Regulation der T- und der B-Zellen berücksichtigen

 


Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die auf einer Störung des regulatorischen immunologischen Netzwerks beruht. "Wir kennen die Hintergründe noch nicht genau, wissen aber, dass sowohl die T-Zellen wie auch die B-Zellen in die pathologischen Prozesse involviert sind", berichtete Prof. Dr. Nikolaos Grigoriadis aus Thessaloniki beim Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Berlin. Das sollte nach seinen Worten therapeutische Berücksichtigung finden, und die Behandlung der MS sowohl die gestörte Regulation der T- wie auch der B-Zellen umfassen.

Die Komplexität der zugrundeliegenden Prozesse, an denen auf peripherer wie auch zentraler Ebene verschiedene Zelltypen beteiligt sind, wird laut Professor Dr. Dr. Sven Meuth aus Münster zunehmend besser verstanden. So ist inzwischen klar, dass die Zahl wie auch Funktion der regulatorischen TZellen bei der MS beeinträchtigt ist und dass Interaktionen zwischen B- und T-Zellen eine zentrale Rolle bei der Erkrankung spielen. "Die Pathophysiologie wird durch ein regelrechtes Netzwerk an miteinander agierenden Zelltypen getriggert", betonte Meuth beim europäischen Neurologenkongress.

Teriflunomid: Selektiv das gestörte immunologische Zusammenspiel modulieren:
Als eine Option, regulierend in das gestörte Zusammenspiel der verschiedenen Zelltypen einzugreifen, stellte Professor Dr. Finn Sellebjerg aus Kopenhagen bei einem Genzyme-Symposium auf dem EAN-Kongress Teriflunomid (Aubagio®) vor. Der Wirkstoff hemmt selektiv und reversibel das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH), das für die de novo-Synthese von Pyrimidin verantwortlich ist.

Da vor allem autoreaktive T- und B-Lymphozyten einen hohen Pyrimidinumsatz aufweisen, lässt sich durch Teriflunomid die Proliferation dieser Zellen hemmen, ohne die übrigen Immunzellen zu beeinträchtigen. Es resultiert nach Sellebjerg eine deutliche Reduktion der Zahl autoreaktiver T- und B-Zellen, die über die Blut-Hirn-Schranke in das ZNS einwandern und dort Prozesse wie die Inflammation, Demyelinisierung und Neurodegeneration bedingen können. Dass sich dieser Wirkmechanismus positiv auf die Klinik der MS auswirkt, belegen die umfassenden Studiendaten zu Teriflunomid. Zusammenfassend dokumentiert eine Post-hoc-Analyse der gepoolten Daten der beiden Phase III-Zulassungsstudien TEMSO und TOWER unter Teriflunomid eine Reduktion der Schübe mit Residuen um 53% gegenüber Placebo (2) sowie eine Subgruppenanalyse mit aktivereren Patienten (> 2 Schübe vor Studienbeginn) die Minderung der Behinderungsprogression um 46% gegenüber Placebo. Eine Senkung der Zahl der Gadolinium-anreichernden Läsionen im Gehirn konnte in der TEMSO-Studie um 80% im Vergleich zu Placebo bei zugleich deutlicher Reduktion der gesamten Läsionslast gezeigt werden. Aus der Extensionsphase einer Phase-II-Studie liegen zudem Beobachtungen über mittlerweile 12 Jahre vor und dokumentieren eine anhaltende klinische Wirksamkeit von Teriflunomid hinsichtlich der Schubrate wie auch der Behinderungsprogression.

Die Langzeitdaten von bis zu 12-Jahren untermauerten zudem das gute und konsistente Sicherheitsprofil. Teriflunomid wird allgemein gut vertragen, bei den Nebenwirkungen ist vor allem mit einer leichten Erhöhung der Leberwerte, einer reversibel verminderten Haardichte sowie mit Übelkeit und Diarrhoen zu rechnen.

Alemtuzumab: Depletion von T- und B-Zellen:
Der humanisierte monoklonale Antikörper Alemtuzumab (Lemtrada®) richtet sich ebenfalls gegen Tund B-Zellen. Der Wirkstoff bindet an das auf den T- und B-Lymphozyten exprimierte Antigen CD52 und bewirkt eine vorübergehende Depletion mit anschließender Repopulation der Zellen. Es kommt dadurch zu einer Art "Reset" des Immunsystems. Alemtuzumab wird in zwei Behandlungsphasen mit zunächst fünf und nach einem Abstand von einem Jahr weiteren drei Infusionen an aufeinander folgenden Tagen verabreicht und führt den Studien zufolge zu einer signifikanten Reduktion der Schubrate gegenüber dem aktivem Komparator Interferon beta-1a. Die Behinderungsprogression konnte zudem in zwei Studien signifikant gegenüber Interferon beta-1a gesenkt werden. In der CARE-MS II-Studie wurde zudem unter Alemtuzumab eine Besserung des Behinderungsgrades gegenüber der Vergleichsmedikation gesehen. Es liegen auch bereits 5-Jahresergebnisse aus der Phase II-Studie CAMMS223 vor. Demnach bleiben 68% der Patienten unter Alemtuzumab (41 Prozent unter Interferon beta-1a) über mindestens fünf Jahre schubfrei. 84% der Alemtuzumab-Patienten (62% unter Interferon beta-1a) waren über fünf Jahre progressionsfrei. Bei 53% der Patienten unter Alemtuzumab zeigte sich nach fünf Jahren sogar eine Verbesserung des Behinderungsgrades gemessen anhand des EDSS (Expanded Disability Status Scale) gegenüber dem Ausgangswert

Neue Sicherheitssignale gab es bei den Langzeitdaten nicht. Zu achten ist bei der Behandlung auf Infusionsreaktionen und auf ein in den ersten Monaten nach der Therapie leicht bis moderat erhöhtes Infektionsrisiko. Im weiteren Verlauf besteht ferner ein erhöhtes Risiko für das Auftreten sekundärer Autoimmunerkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen, idiopathische thrombozytopenische Purpura, Nephropathien), die jedoch bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar sind. Entsprechende Kontrolluntersuchungen sind daher bis 48 Monate nach der letzten Behandlungsphase angezeigt.

Quelle: JournalMED


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