Multiple Sklerose
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- 22.12.2015


Multiple Sklerose: Alemtuzumab und Teriflunomid wirksam gegen autoreaktive T- und B-Zellen

 


Patienten mit aktiver Multipler Sklerose zeigen in aller Regel einen gegenüber Gesunden stärkeren Hirnvolumenverlust, was Konsequenzen auf die Kognition haben kann. Sowohl durch eine Behandlung mit Alemtuzumab wie auch mit Teriflunomid kann dieser Prozess verlangsamt werden, bei Alemtuzumab sogar auf ein vergleichbares Niveau wie bei Gesunden wie aktuelle Befunde belegen. Zu beiden Wirkstoffen liegen mittlerweile Langzeitdaten vor, die die gute klinische Wirksamkeit und ein konsistentes Sicherheitsprofil dokumentieren. Besondere Beachtung finden die jüngst vorgestellten 5-Jahres-Daten der beiden Zulassungsstudien CARE-MS I und CARE-MS II zu Alemtuzumab.

Seit nunmehr zwei Jahren ist mit dem Wirkstoff Teriflunomid (Aubagio®) die Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) mit der Einnahme einer Tablette täglich möglich. Die klinische Wirksamkeit von Teriflunomid wurde in den beiden kontrollierten Phase III-Studien TEMSO und TOWER dokumentiert, berichtete Dr. Antonios Bayas aus Augsburg. "Wir verfügen somit über konsistente, robuste Daten, die die klinische Effektivität von Teriflunomid belegen", kommentierte dies Prof. Dr. Andrew Chan, Bochum.

Eine Post-hoc-Analyse der gepoolten Daten der beiden Studien ergab eine Reduktion der Rate an Schüben mit Residuen um 53% im Vergleich zu Placebo. Eine Subgruppenanalyse konnte bei aktiveren MS-Patienten (= zwei Schübe im Jahr vor Studienbeginn) eine Reduktion der Behinderungsprogression um 46% im Vergleich zu Placebo zeigen. Bemerkenswert sind nach Chan zudem Befunde, wonach unter Teriflunomid die Anzahl kontrastmittelaufnehmender Läsionen um 80% reduziert wird. Die jährliche Schubrate bleibt auf lange Sicht niedrig bei zudem anhaltend günstigem Sicherheitsprofil der Medikation, so das Ergebnis der mittlerweile vorliegenden Ergebnisse der TEMSO-Verlängerungsstudie bis zu neun Jahre.

MRT-Daten unter Teriflunomid: Gebremster Hirnvolumenverlust:
Als besonders relevant erachtet Bayas ferner die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der MRT-Daten der TEMSO-Studie mit Hilfe der SIENA-Methode (Structural Image Evaluation using Normalization of Atrophy). Die Analyse dokumentiert unter Teriflunomid eine signifikante Reduktion des jährlichen Hirnvolumenverlustes über zwei Jahre gegenüber Placebo. Das Ergebnis ist laut Bayas bedeutsam, da die Hirnatrophie mit der Beeinträchtigung kognitiver Leistung korrelieren kann und zudem ein Prädiktor für das Auftreten von Behinderungen sein kann.
Der Neurologe hob in München ferner die Behandlungszufriedenheit der Patienten unter Teriflunomid hervor, die sich in den Ergebnissen der TENERE-Studie widerspiegelt. Eine hohe Behandlungszufriedenheit lässt nach Bayas ebenso wie die einmalige tägliche Tabletteneinnahme eine gute Therapieadhärenz erwarten.

Vermittelt wird die Wirkung von Teriflunomid laut Privatdozentin Dr. Luisa Klotz, Münster, als selektive Immunmodulation über eine reversible Hemmung des mitochondrialen Enzyms Dihydroorotat-Dehydrogenase, welches für die De-novo-Pyrimidinsynthese bei sich proliferierenden T- und B-Lymphozyten gebraucht wird. Ruhende Lymphozyten werden in ihrer immunüberwachenden Funktion nicht beeinträchtigt. Als häufigste Nebenwirkungen unter Teriflunomid werden eine leichte Erhöhung der Leberwerte, eine meist reversibel verminderte Haardichte sowie Übelkeit und Diarrhoen berichtet.

Alemtuzumab: Nachhaltige Besserung des Grads der Behinderung:
Alemtuzumab (Lemtrada®) entfaltet seine klinische Wirksamkeit, in dem der humanisierte monoklonale Antikörper eine vorübergehende Depletion der B- und T-Zellen bewirkt, was bei der anschließenden Repopulation der beiden Zellpopulationen die Reprogrammierung des Immunsystems zur Folge hat.

Was dies konkret für die Patienten bedeutet, erläuterte Professor Dr. Volker Limmroth, Köln, anhand der Kasuistik einer 28-jährigen Studentin, bei der bereits im September 2008 eine aktive MS diagnostiziert wurde. Die junge Frau wurde aufgrund ihrer besonderen Krankheitsaktivität mit drei Schüben in 2014 und einem EDSS (Expanded Disability Status Scale) von 5,5 in einer ersten Behandlungsphase im Sommer 2014 mit Alemtuzumab therapiert. Sie reagierte mit einer deutlichen Reduktion der Läsionslast im MRT und einer Besserung des EDSS auf 2. „Der Patientin geht es klinisch sehr gut. Sie ist inzwischen schwanger geworden, so dass wir die zweite Behandlungsphase mit Alemtuzumab erst einmal zeitlich bis nach der Geburt des Kindes verschoben haben“, berichtete Limmroth in München.

Konsistent günstige Daten aus Extensionsstudien über fünf Jahre:
Langzeitdaten zur klinischen Wirksamkeit und Sicherheit von Alemtuzumab über fünf Jahre liegen aus den Extensionsstudien von CARE-MS I und CARE-MS II vor , erläuterte in München Professor Dr. Tjalf Ziemssen, Dresden. Sie bestätigen die früheren Befunde und belegen eine über fünf Jahre anhaltend niedrige jährliche Schubrate bei den zuvor besonders aktiven MS-Patienten: Die jährliche Schubrate blieb bei den mit Alemtuzumab behandelten Patienten (CARE-MS I und II) über fünf Jahre anhaltend niedrig und betrug nach fünf Jahren 0,15 und 0,18.
Während der CARE-MS I und II-Verlängerungsstudien (Jahr 2-5 akkumuliert) waren 54 Prozent bzw. 49 Prozent der Patienten unter Alemtuzumab frei von MRT-Aktivität. Darüber hinaus verlangsamte Alemtuzumab über fünf Jahre betrachtet den Hirnvolumenverlust in beiden Studien auf ein praktisch normales Maß .

80% bzw 76% der mit Alemtuzumab behandelten Patienten waren über fünf Jahre frei von einer über sechs Monate bestätigten Behinderungsprogression. Auch bei der Auswertung der 5-Jahresdaten zeigten sich laut Ziemssen keine neuen Sicherheitssignale, vielmehr ergab sich ein mit den übrigen Erfahrungen konsistentes Sicherheitsprofil des Antikörpers. Um die Therapiesicherheit zu gewährleisten, ist auf Infusionsreaktionen, ein in den ersten Monaten leicht bis moderat erhöhtes Infektionsrisiko und das potenzielle Auftreten sekundärer Autoimmunerkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen, idiopathische thrombozytopenische Purpura, Nephropathien) zu achten, wobei die Reaktionen bei entsprechend frühzeitiger Diagnose gut behandelbar sind.

Quelle: JournalMED


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