Multiple Sklerose
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- 22.12.2015


Astrozyten beeinträchtigen das Gedächtnis

 


Bei Multipler Sklerose oder anderen Entzündungen des Gehirns sind die kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt. Forscher der Universitäten Zürich und Lausanne konnten nun zeigen, dass dafür die Astrozyten verantwortlich sind. Sie beeinträchtigen bei Gehirnentzündungen die Erinnerungsfähigkeit.
Dass Gehirnentzündungen die kognitiven Funktionen beeinträchtigen, so zum Beispiel bei Autoimmun-Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) oder bei Alzheimer, wird vermutet. Bis heute konnte aber nicht lückenlos bewiesen werden, dass kognitive Einschränkungen tatsächlich die direkte Folge der Entzündung sind.

Andrea Volterra, Universität Lausanne, hat nun zusammen mit Tobias Suter, Adriano Fontana und Christopher Pryce von der Universität Zürich das fehlende Bindeglied identifiziert: es sind die Astrozyten, ein Zelltyp des Nervensystems. Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass Astrozyten die Entzündung «fühlen» und direkt die neuronalen Verbindungen der Gedächtnisbildung so beeinflussen, dass kognitive Defizite resultieren.

Astrozyten machen etwa die Hälfte unserer Gehirnmasse aus. Obwohl man sie schon lange kennt, weiss man noch viel weniger über sie als beispielsweise über Neuronen. Astrozyten, Oligodendrozyten und Mikroglia, zusammengefasst Glia-Zellen, beinflussen ständig die Aktivität der Neuronen. Viele Hirnerkrankungen haben ihren Ursprung nicht in defekten Neuronen, sondern in der mangelhaften Interaktion zwischen Neuronen und Glia-Zellen. Während Glia-Zellen normalerweise eher versuchen würden die Funktionen der Neuronen zu bewahren, zeigt die neue Studie nun, dass Astrozyten während einer Entzündung die Funktion der Neuronen beeinträchtigen.

Astrozyten vermindern Erinnerungsfunktion:
«Die Astrozyten spüren das Zytokin TNF, einen Botenstoff der Entzündung», erklärt der Neurobiologe Andrea Volterra, «und senden daraufhin ein Signal an die Neuronen». Im gesunden Hirn ist die Konzentration von TNF sehr niedrig und die Astrozyten unterstützen die Aktivität der Neuronen. Tritt im Hirn aber eine Entzündung auf, zum Beispiel im Fall von MS oder einer Infektion, nimmt die Menge an TNF stark zu und die Astrozyten reagieren darauf mit einer Veränderung der neuronalen Funktion. Geschieht dies in Bereichen des Gehirns, die für das Gedächtnis zuständig sind wie zum Beispiel im Hippocampus, beeinträchtigt dies die Speicherung von Informationen und somit die Erinnerungsfähigkeit.

In Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern hat Volterra diesen schädlichen Mechanismus in einem Maus-Modell von Multipler Sklerose (MS) nachgewiesen. Die Forscher auch gezeigt, dass eine pathologisch erhöhte TNF-Konzentration, wie sie bei Multipler Sklerose vorkommt, die Gedächtnisleistung reduziert. Wie bei MS-Patienten tritt diese Beeinträchtigung auch im Modell schon in asymptomatischen Phasen auf, wenn noch keine typischen MS-ähnlichen Bewegungseinschränkungen auftreten.

Beeinträchtigungen mildern:
Die neuen Erkenntnisse sind höchst relevant, weil die Forscher spezifische Rezeptoren identifizieren konnten, welche im Krankheitsverlauf essentiell sind. Es besteht nun die Möglichkeit, diese Rezeptoren mit Medikamenten zu blockieren, um den schädlichen Mechanismus zu unterbinden. Dadurch könnten die kognitiven Beeinträchtigungen bei MS-Patienten und womöglich auch bei anderen entzündlichen neurologischen Erkrankungen gemildert werden.

Quelle: Universität Zürich


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