Multiple Sklerose
Anzeige
 
e-med Forum Multiple Sklerose 19. Juni 2018 Kontakt  Impressum  Datenschutz  
 

Ausgesuchte MS-Links:

 

- 02.03.2016


Langzeitwirksamkeit und -sicherheit von Teriflunomid und Alemtuzumab belegt

 


Ein Erfolgskonzept in puncto Fortbildung zur Multiplen Sklerose ist die MSWerkstatt, eine Fortbildungsreihe von Sanofi Genzyme, die kürzlich in Dresden zum 30. Mal stattfand. "Bei der MSWerkstatt geht es vor allem darum, Themen, die sich im alltäglichen Management der MS ergeben, zu diskutieren", erläuterte Prof. Dr. Tjalf Ziemssen, Dresden, der die Jubiläumsveranstaltung zusammen mit Professor Dr. Sven Schippling, Zürich, geleitet hat.

MRT als Basis der individualisierten Therapie:
Diskutiert wurden bei der Tagung in Dresden insbesondere die Fortschritte bei der medikamentösen Behandlung der MS. Sie haben laut Schippling letztlich auch dazu geführt, dass es gegenüber früheren Zeiten zu deutlich weniger Krankheitsschüben bei den Patienten kommt.
Damit gewinnt zwangsläufig die Magnetresonanztherapie (MRT) an Bedeutung. Sie wird zunehmend zur Basis einer individualisierten Therapie der MS, da die Zahl und Lokalisation der Läsionen ebenso wie das Auftreten und der Verlauf einer Hirnatrophie als Surrogatparameter der klinischen Krankheitsaktivität und als Prädiktor der Prognose der Patienten fungieren kann. Das belegen die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der MRT-Daten unter der Behandlung mit Teriflunomid (Aubagio®) mit Hilfe der SIENA-Methode (Structural Image Evaluation using Normalization of Atrophy), die eine signifikante Reduktion des Hirnvolumenverlustes im zweiten Jahr im Vergleich zum Ausgangswert von 30,6% gegenüber Placebo dokumentieren.

Langzeitdaten zu Teriflunomid: Effektive orale Therapie, keine neuen Sicherheitssignale:
Der Wirkstoff hemmt selektiv und reversibel das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH), das für die de novo-Synthese von Pyrimidin verantwortlich zeichnet. Da vor allem autoreaktive T- und B-Lymphozyten einen hohen Pyrimidinumsatz aufweisen, lässt sich durch Teriflunomid die Proliferation dieser Zellen hemmen, ohne die übrigen Immunzellen zu beeinträchtigen. Teriflunomid muss nur einmal täglich als Tablette eingenommen werden und hat sich in der MS-Therapie etabliert. Der Wirkstoff besitzt laut Professor Dr. Andrew Chan, Bern, eine gute klinische Wirksamkeit.

So zeigt eine Post hoc-Analyse der gepoolten Ergebnisse der beiden Phase III-Studien TEMSO und TOWER, dass sich die Rate der Krankheitsschübe mit Residuen unter Teriflunomid um 53 Prozent gegenüber Placebo reduziert. Darüber hinaus ergab eine Subgruppenanalyse der gepoolten Daten beider Studien bei aktiveren MS-Patienten (= zwei Schübe im Jahr vor Studienbeginn) eine Reduktion der Behinderungsprogression um 46% im Vergleich zu Placebo. Es liegen konsistente Daten aus beiden Zulassungsstudien vor, die eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression im Vergleich zu Placebo dokumentieren.

Inzwischen zeigen auch Langzeitdaten von bis zu zwölf Jahren die gute und anhaltende klinische Wirksamkeit von Teriflunomid sowie das günstige Sicherheitsprofil. Als häufigste Nebenwirkungen werden allgemein eine leichte Erhöhung der Leberwerte, eine meist reversibel verminderte Haardichte, Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Diarrhoen berichtet. Neue Sicherheitssignale traten auch bei der Langzeitbeobachtung nicht auf.

Langzeitdaten zu Alemtuzumab: Anhaltende Wirksamkeit bei konsistentem Sicherheitsprofil?
Zeigt sich klinisch oder in der Bildgebung eine aktive MS, besteht eine Indikation für Alemtuzumab (Lemtrada®). Der Wirkstoff wird in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr infundiert. Er bewirkt eine Depletion von aktivierten T- wie auch B-Lymphozyten mit anschließender Repopulation, was quasi einem Reset des Immunsystems gleichkommt.

"Inzwischen liegen auch zur Therapie mit Alemtuzumab Langzeitdaten über fünf Jahre vor“, so Ziemssen. Die Studien dokumentieren eine anhaltende klinische Wirksamkeit mit konstant niedriger Schubrate wie auch ein hoher Anteil an Patienten ohne Verschlechterung der Behinderungsprogression. 80 respektive 76% der Patienten waren über den Beobachtungszeitraum von fünf Jahren frei von einer Behinderungsprogression und 54 respektive 49% frei von MRT-Aktivität.

Neue Sicherheitssignale waren nicht zu registrieren, so dass auch bei Alemtuzumab von einem konsistenten Sicherheitsprofil auszugehen ist. Zu rechnen ist mit Infusionsreaktionen, einem in den ersten Monaten leicht bis moderat erhöhtem Infektionsrisiko und dem potenziellen Auftreten sekundärer Autoimmunerkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen, idiopathische thrombozytopenische Purpura, Nephropathien), wobei diese Nebenwirkungen bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar sind.

Signifikante Reduktion der Hirnatrophie?
Die Alemtuzumab-Behandlung führte zu einer Verlangsamung des Hirnvolumenverlusts und näherte sich über 5 Jahre jenem von Gesunden an. Diese Beobachtung ist relevant, wie in Dresden dargelegt wurde. Denn es gibt nachweislich eine enge Korrelation zwischen kortikalem und subkortikalem Hirnvolumenverlust und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Dies diskutierte PD Dr. Iris-Katharina Penner aus Düsseldorf neben anderen für die Kognition relevanten Aspekten auf der MSWerkstatt.

Die Hirnatrophie kann nach Professor Dr. Frank Heppner, Berlin, verschiedene Hirnareale betreffen, wobei Läsionen in der grauen wie auch der weißen Hirnsubstanz lokalisiert sein können. Die klinischen Defizite sind abhängig von der Lokalisation der Veränderungen, wie der Mediziner darlegte. So korreliert nach seinen Aussagen beispielsweise eine Atrophie der grauen Substanz langfristig mit der Entwicklung von Behinderungen. Der Nervenzellverlust hat zudem laut Heppner Auswirkungen auf die Kognition.

Die Fortbildungsreihe MS-Werkstatt wird auch 2016 fortgesetzt. Weitere Veranstaltungen finden statt
- am 4.-5. März 2016 in München,
- am 3.-4. Juni 2016 in Hamburg
- am 2.-3. Dezember 2016 in Dresden.

Quelle: JournalMED


...zurück zur Newsübersicht / Startseite
...zurück zur Newsübersicht / Archiv
...zurück zur Gesundheitsnews-Suche