Multiple Sklerose
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- 05.07.2017


Krankheitsaktivität ist entscheidender Parameter für die Therapiewahl bei MS

 


Entscheidend für die Therapiewahl bei der Multiplen Sklerose ist vor allem die Krankheitsaktivität. Es besteht dabei auch die Option auf eine Impulstherapie mit Alemtuzumab bei Patienten mit aktiver RRMS, wie bei der MScience.MShift-Veranstaltung von Sanofi Genzyme in Frankfurt betont wurde. Studien zeigen, dass mit dem Antikörper eine effektiv wirksame Therapie mit zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr und somit einem langen therapiefreien Intervall bei anhaltender klinischer Wirksamkeit zu realisieren ist.

Die Behandlung der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) erfolgt keinesfalls nach Schema F. „Wir haben vielfältige Therapiemöglichkeiten und müssen die Behandlung genau auf die individuelle Situation des Patienten zuschneiden“, berichtete Dr. Karl-Heinz Henn, Offenbach.

Viele Faktoren beeinflussen die Therapiewahl:
Die Therapiewahl wird nach seinen Ausführungen durch verschiedenste Faktoren bestimmt. Diese reichen von der Indikationsstellung über Kontraindikationen bei bestimmten Therapeutika bis hin zu den Empfehlungen in den Leitlinien, den Ergebnissen der Voruntersuchungen, den Erfahrungen mit der Vortherapie und den besonderen Bedürfnissen der Patienten. „Sie müssen den Patienten mit ins Boot holen, sonst wird die Behandlung nicht erfolgreich sein“, betonte Henn in Frankfurt. So spielt es nach seinen Worten zum Beispiel eine Rolle, wie mobil der Patient ist und wie flexibel er sein Leben gestaltet. Auch ist stets zu hinterfragen, ob ein Kinderwunsch besteht. Die Patienten müssen dabei über alle möglichen Therapieoptionen eingehend aufgeklärt werden. „Man muss sich aber auf jeden Fall auch rückversichern, ob sie die Erklärungen tatsächlich verstanden haben“, mahnte der Neurologe.

Dass stets die persönliche Situation des Patienten zu berücksichtigen ist, zeigt das Beispiel von Annika, bei der im Alter von 17 Jahren eine aktive RRMS diagnostiziert wurde. Nach eingehender Aufklärung über die Erkrankung und die möglichen Therapieformen entscheiden Arzt und Patientin sich aufgrund der aktiven Krankheitsform und der Spritzenphobie der jungen Frau gemeinsam für eine Behandlung mit Alemtuzumab (Lemtrada®). Die Patientin verträgt die Behandlung gut, ist klinisch stabil und froh, keine weiteren Therapiemaßnahmen zu benötigen.

Krankheitsaktivität als Richtschnur der Therapie:
Dreh- und Angelpunkt bei den Therapieentscheidungen ist die Krankheitsaktivität, wie Prof. Mark Obermann, Seesen, darlegte. Es geht darum, schon frühzeitig in das Krankheitsgeschehen einzugreifen und die Krankheitsaktivität unter Kontrolle zu bekommen, um so die Langzeitprognose der Patienten zu bessern. Denn ein frühzeitiger Behandlungsbeginn kann dazu beitragen, die Akkumulation von Behinderungen und auch den Übergang in eine sekundär progrediente MS (SPMS) hinauszuzögern. Als „Window of Opportunity“ für eine Therapie nannte der Neurologe einen EDSS (Expanded Disability Status Scale) von bis zu 3.

Impulstherapie mit Option auf anhaltende klinische Wirksamkeit:
Liegt eine aktive RRMS vor, so ist nach Obermann die Indikation für eine Behandlung mit Lemtrada® gegeben. Der Antikörper wird in zwei Behandlungsphasen mit initial 5 und nach 1 Jahr weiteren 3 Infusionen an jeweils aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. Es kann daraus eine gute und auch anhaltende klinische Wirksamkeit resultieren, so Obermann. Das zeigen die 6-Jahres-Daten der Zulassungsstudien CARE-MS I und CARE-MS II, wobei die Mehrheit der Patienten in jedem Jahr der Extensionsstudie „Freiheit von Krankheitsaktivität“ (NEDA) erreichte.

Es liegen außerdem bereits 10-Jahres-Daten der Phase-II-Studie CAMMS223 vor, wie Prof. Volker Limmroth, Köln, darlegte. Sie bestätigen die gute klinische Wirksamkeit der Impulstherapie mit Alemtuzumab: Die Schubrate war über den gesamten Zeitraum mit weniger als 0,1 Schüben/Jahr anhaltend niedrig und es wurde eine Stabilisierung des mittleren EDSS und teilweise sogar eine Verbesserung des Behinderungsgrades gesehen. Bemerkenswert ist nach Limmroth ferner, dass rund ein Drittel der Patienten über den gesamten Beobachtungszeitraum von 10 Jahren lediglich die initialen 2 Behandlungsphasen mit Alemtuzumab im Abstand von 1 Jahr erhalten hatte.

Die klinische Wirksamkeit ist nach Limmroth durch den Wirkmechanismus bedingt: Alemtuzumab führt gezielt zu einer Eliminierung von zirkulierenden autoreaktiven T- und B-Zellen, wobei es nach der Depletion der T- und B-Lymphozyten zu einer Repopulation dieser Zellen und damit zum Reset des Immunsystems kommt. Dies ist mit einer quantitativen Zunahme regulatorischer T-Zellen und eine Verlagerung der Zytokin-Balance in Richtung von Entzündungsinhibition verbunden.

Anhaltend konsistentes Sicherheitsprofil:
Die Langzeitdaten bestätigen das anhaltend konsistente Sicherheitsprofil von Alemtuzumab. Neue unerwartete oder unbekannte Nebenwirkungen traten in den Langzeitstudien nicht auf. Zu rechnen ist im Rahmen der Therapie mit infusionsbedingten Reaktionen, vor allem Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber, und leichten bis mittelschweren Infektionen sowie sekundären Autoimmunstörungen wie einer idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP), Nephropathien (einschließlich Goodpasture-Syndrom) und Schilddrüsenerkrankungen (Hyper- und Hypothyreose). Die Nebenwirkungen sind durch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in aller Regel frühzeitig zu erkennen und gut zu behandeln.

Quelle: JournalMED


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