Multiple Sklerose
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- 27.09.2017


Entstehung von Multipler Sklerose: Superantigene als Auslöser von sekundären ZNS-Entzündungen?

 


„Bisher hat man vor allem den Ansatz verfolgt, dass es sich um eine Fehlleitung des Immunsystems handelt. Zahlreiche Befunde sprechen allerdings gegen die Auffassung, dass MS primär entzündlich entsteht. Vielmehr entwickeln sich Krankheitsherde über längere Zeit ohne Entzündung in Gehirn oder Rückenmark. Erst im Verlauf wandern Entzündungszellen im Sinne eines sekundären Krankheitsgeschehens aus dem Blut in die Krankheitsherde ein.

Wir gehen davon aus und forschen dazu seit einigen Jahren, dass Hüllproteine von humanen endogenen Retroviren (HERV) als sogenannte „Superantigene“ der Auslöser der für MS typischen sekundären Entzündungsvorgänge im zentralen Nervensystem sind“, sagt Dr. Alexander Emmer, Universitäts- und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Das Konzept einer durch Autoimmunität gegen Myelin-Antigene bedingten Erkrankung erkläre zahlreiche bei MS-Patienten erhobene Befunde nicht. Emmer und seine Kollegen konnten in Versuchen hingegen zeigen, dass Entzündungen, wie sie bei MS auftreten, durch Superantigene im zentralen Nervensystem erzeugt werden können. Es gebe darüber hinaus zunehmend Hinweise dafür, dass die Entzündung nicht das primäre und somit ursächliche Ereignis sei, sondern nichtentzündliche, degenerative Prozesse bereits Monate vorher auftreten, so Emmer. Erst nachfolgend könne sich in diesem Bereich des betroffenen Gehirns eine Entzündungsreaktion abspielen, die zu Symptomen führe und im MRT nachgewiesen werden könne. Das Auslösen dieser Prozesse durch Superantigene könnte ein Teil der Pathogenese von MS sein, so Emmer weiter.

„Endogene Retroviren sind im Laufe der Evolution ein integraler Teil des menschlichen Genoms geworden“, ergänzt Martin S. Staege. Eine Assoziation zwischen HERV und MS wurde mehrfach beschrieben. Umwelteinflüsse, im Verdacht steht hier beispielsweise das Epstein-Barr-Virus, können dazu führen, dass schlafende HERV-Sequenzen im menschlichen Erbgut im zentralen Nervensystem „transaktiviert“ werden. Ob und wie diese HERV-Proteine zur Entzündungsreaktion bei MS beitragen, untersucht derzeit die Arbeitsgruppe um Emmer und Staege unter anderem in Kooperation mit Dr. Holger Cynis vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Halle.

Wenn sich die Theorie bewahrheite, könne der degenerative Anteil der Pathogenese der MS durch neue therapeutische Ansätze beeinflussbar sein, so die Forscher.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


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