Multiple Sklerose
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- 18.10.2017


Bei der MS regelmäßig die Therapiezufriedenheit erfragen

 


Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sollten in die Therapieentscheidung miteinbezogen und außerdem im Verlauf der Erkrankung immer wieder einmal zu ihrer Therapiezufriedenheit und zu Belastungen durch die Erkrankung und deren Behandlung befragt werden. Denn die Wahrnehmung der Ärzte und der Patienten ist in dieser Hinsicht nicht selten unterschiedlich: Während Ärzte ihre Aufmerksamkeit häufig auf die körperlichen Veränderungen richten, stehen bei den Patienten mehr die Beeinträchtigung der Lebensqualität – oftmals bedingt durch „verborgene Symptome“ wie eine Fatigue oder ein Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit – im Fokus, so ein Fazit eines Symposiums von Sanofi Genzyme beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig.

Die schubförmige MS (Relapsing Remitting MS, RRMS) und ihre Behandlung kann das Leben der Patienten in vielfacher Hinsicht beeinträchtigen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Behandlung akuten Schüben und einer Behinderungsprogression entgegenwirkt. Sie sollte zudem einfach sein, den Patienten nicht belasten und möglichst auch die neuropsychologischen Symptome der MS günstig beeinflussen“, erklärte Dr. Boris Kallmann aus Bamberg.

Dass dies ein realistisches Therapieziel ist, belegen die Daten zu Teriflunomid (Aubagio®), einem Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften. So zeigte sich in der Studie Teri-PRO laut Kallmann eine hohe Therapiezufriedenheit der Patienten, was sich nicht zuletzt auch in der mit mehr als 98% hohen Therapieadhärenzrate widerspiegelt.

Nach dem Ergebnis einer Post-hoc-Analyse der gepoolten Daten der Studien TEMSO und TOWER reduzierte Teriflunomid die Rate der Schübe mit Residuen signifikant um 53%* im Vergleich zu Placebo. In beiden Zulassungsstudien ergab sich außerdem eine signifikante Reduktion des Risikos einer Behinderungsprogression gegenüber Placebo. Die inzwischen vorliegenden Langzeitdaten aus der Verlängerung der Phase II-Studie von bis zu 13 Jahren dokumentieren einen über den gesamten Beobachtungszeitraum stabilen mittleren EDSS (Expanded Disability Status Scale).

Reduktion des Hirnvolumenverlustes:
Teriflunomid minderte laut Kallmann nach dem Ergebnis der TEMSO-Studie außerdem den jährlichen Hirnvolumenverlust über zwei Jahre signifikant um 30,6% im Vergleich zu Placebo und bei vorbehandelten Patienten sogar um 51,4% nach 2 Jahren im Vergleich zu Placebo. Das könnte nach seinen Worten möglicherweise positive Auswirkungen auf die bei vielen Patienten im Krankheitsverlauf zu beobachtende Minderung der kognitiven Leistungsfähigkeit haben. Darauf weisen ebenfalls die Daten der Teri-PRO-Studie hin, in der mehr als 90% der Patienten eine normale/minimale bzw. milde/mittlere Behinderung durch kognitive Symptome berichteten.

Geringere Beeinträchtigungen durch eine Fatigue:
Die Ergebnisse der TOWER-Studie zeigten zudem eine unter Teriflunomid gegenüber Placebo signifikant geringere Zunahme der Fatigue, gemessen anhand des FIS (Fatigue Impact Scale), erklärte Prof. Dr. Iris-Katharina Penner, Düsseldorf. Dies bestätigten nach Penner die Daten der Teri-PRO-Studie, in der nach einer 48-wöchigen Behandlungszeit mit Teriflunomid gegenüber den Baseline-Daten weniger Patienten schwere/vollständige Einschränkungen infolge einer Fatigue angaben.

Teriflunomid zeigte in den Studien ein konsistentes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Als häufigste Nebenwirkungen werden in der Fachinformation eine leichte Erhöhung des ALT-Werts, Kopfschmerzen, Diarrhoe, Übelkeit und eine meist reversibel verminderte Haardichte aufgeführt.

Durch eine Impulstherapie mit Alemtuzumab (Lemtrada®) kann ohne kontinuierliche MS-Medikation eine anhaltende klinische Wirksamkeit erzielt werden. Der monoklonale Antikörper bewirkt eine Depletion von zirkulierenden T- und B-Zellen und eine nachfolgende Reorganisation des Immunsystems, berichtete Prof. Dr. Sven Meuth aus Münster beim Kongress in Leipzig.

Alemtuzumab ist laut Prof. Dr. Ralf Linker, Erlangen, bei erwachsenen Patienten mit aktiver schubförmiger MS indiziert und kann als First Line-Therapie gegeben werden und ebenso nach einer Vorbehandlung mit anderen MS-Therapeutika. Die Wirksamkeit der Impulstherapie können die inzwischen vorliegenden 6-Jahresdaten der beiden Zulassungsstudien CARE-MS I bei behandlungsnaiven und CARE-MS II bei vorbehandelten Patienten belegen. Dabei war die jährliche Schubrate in den Jahren drei bis sechs nach Linker ausgesprochen niedrig.

Bemerkenswert sind insbesondere die Ergebnisse zur Behinderungsprogression: So waren In der Studie CARE-MS I nach sechs Jahren noch 77% der Patienten und in der Studie CARE-MS II noch 72% frei von einer über 6 Monate bestätigten Behinderungsprogression. 34% der Patienten in CARE-MS I und sogar 43% in CARE-MS II erreichten laut Linker sogar eine Verbesserung einer bestehenden Behinderung. Insgesamt zeigten die Verlängerungsstudien damit konsistente Effekte hinsichtlich der Schubrate und der Behinderungsprogression.

Positive Wirkung auf die Hirnatrophie:
Die beiden Studien CARE-MS I und II zeigten darüber hinaus einen positiven Effekt auf die Hirnatrophierate, wie Prof. Meuth darlegte: „Deshalb sollte eine Behandlung mit Alemtuzumab bei Patienten mit aktiver MS unbedingt schon in den frühen aktiven Phasen der Krankheit in Betracht gezogen werden“, erklärte der Neurologe. Denn durch die Reduktion der Hirnatrophierate sind möglicherweise auch günstige Auswirkungen auf die Kognition zu erwirken und damit wahrscheinlich auch positive Effekte auf den Erhalt der Arbeits- und Berufsfähigkeit, ein nach Linker aus Sicht der Patienten sehr bedeutsamer Therapieeffekt.

In den Langzeitstudien zu Alemtuzumab traten keine unerwarteten oder unbekannten Nebenwirkungen auf. Zu rechnen ist unter dem Wirkstoff mit infusionsbedingten Reaktionen, vor allem Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber und leichten bis mittelschweren Infektionen sowie sekundären Autoimmunstörungen wie einer idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP), Nephropathien (einschließlich Goodpasture-Syndrom) und Schilddrüsenerkrankungen (Hyper- und Hypothyreose). Die Nebenwirkungen sind durch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in aller Regel frühzeitig zu erkennen und gut zu behandeln.

Quelle: JournalMED


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