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- 29.05.2018


Vitaminpräparate bei Neuropathien ohne Nutzen

 


Die Hoffnung, neuropathische Schmerzen mit Vitamin E lindern zu können, hat sich in einer klinischen Studie mit 300 Teilnehmern nicht erfüllt. „Den vielen Patienten mit diesem schwierig zu behandelnden Leiden sollte man deshalb keine falschen Hoffnungen machen“, kommentiert Professor Claudia Sommer (Würzburg) von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die Ergebnisse der asiatischen Forschungsgruppe.
Mindestens 2,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache dieser sogenannten neuropathischen Schmerzen ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), bei der etwa die Hälfte aller Patienten betroffen sind. Man spricht dann von einer diabetischen Neuropathie, die auch Gegenstand der aktuellen Untersuchung war. Die Betroffenen leiden unter brennenden Schmerzen – häufig an den Füßen und Unterschenkeln – und Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühlen und Kribbeln. „Die Behandlung ist schwierig und selten vollständig erfolgreich, sodass viele Patienten nach Alternativen suchen“, erklärt die Neurologin Prof. Sommer.

Negativempfehlung in der Versorgungsleitlinie:
In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ sind mehrere hilfreiche Medikamente aufgeführt, darunter manche Antidepressiva, Pregabalin und einige ausgewählte Schmerzmittel. Abgeraten wird aber mangels wissenschaftlicher Belege von Cannabis-Extrakten, Capsaicin-Salbe, Alpha-Liponsäure sowie Vitamin B1 und dem verwandten Benfotiamin. „Trotz dieser Negativempfehlungen werden im Internet insbesondere Vitaminpräparate mit dem Versprechen beworben, eine Neuropathie lindern zu können“, kritisiert Prof. Sommer.

Auch der Leiter der aktuellen Studie, der renommierte Pharmakologe Kah-Hay Yuen (Penang, Malaysia), hatte gehofft, mit einem Gemisch aus verschiedenen Formen von Vitamin E (Tocotrienole) die Schmerzen seiner Patienten zu lindern. Um dies zu überprüfen, wurden für die sogenannte VENUS-Studie (Vitamin E in Neuroprotection Study) 300 Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus mit neuropathischen Schmerzen ausgewählt, die nach dem Losverfahren über zwölf Monate hinweg entweder zweimal täglich 200 Milligramm eines Gemisches von Tocotrienolen erhielten oder ein Scheinmedikament.
Schmerzen und Lebensqualität unverändert

Gemessen wurden das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach zwölf Monaten sowie außerdem die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Neuropathie und die Nervenleitungsgeschwindigkeit. Das Resultat war enttäuschend, denn auf allen drei Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit Vitamin E und jener mit dem Scheinmedikament. Lediglich bei zwei Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin: Solche mit vergleichsweise hohen Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen. Festgestellt wurde aber auch, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen Infektionen bei 6,7 Prozent der Patienten unter Tocotrienolen auftraten – das war fast zehnmal so häufig wie mit dem Scheinmedikament.

„In der Gesamtbilanz müssen wir Ärzte unseren Patienten deshalb davon abraten, ihr Geld für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel auszugeben, da es keinen Wirkungsnachweis gibt“, so Prof. Sommer. Allerdings: „Auch wenn Vitamin E offenbar keinen Erfolg verspricht, so können die Betroffenen dennoch selbst aktiv werden und durch häufige Kontrollen der Füße sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin mithelfen, Schäden an den Nerven zu verhindern.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)


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