Multiple Sklerose
Anzeige
 
e-med Forum Multiple Sklerose 18. November 2019 Kontakt  Impressum  Datenschutz  
 

Ausgesuchte MS-Links:

 

- 06.03.2012


Multiple Sklerose: Zeitpunkt einer leitliniengerechten Therapieeskalation überdenken

 


„Jeder MS-Schub erhöht das Risiko einer bleibenden Behinderung“, so Prof. Dr. Dr. Sven Meuth, Münster. Multiple Sklerose gehört zu den Krankheiten, die bei jedem Patienten anders verlaufen, sodass individualisierte Therapiekonzepte zum richtigen Zeitpunkt erfolgen müssen. Reicht die Basistherapie nicht aus, soll mit Natalizumab eine effektive Eskalationstherapie durchgeführt werden, sind sich die Experten einig. Gezielt auf das Symptom Gehfähigkeit zielt zudem der Kaliumkanalblocker Fampridin ab, der seit 2011 zur Behandlung aller Verlaufsformen der Multiplen Sklerose und zusätzlich zu jeder Basistherapie für erwachsene MS-Patienten mit Gehbehinderungen EDSS (Expanded Disability Status Scale) 4 bis 7 zugelassen ist, so Prof. Volker Limmroth, Köln.

In den beiden Phase-II-Studien verbesserte sich die Gehgeschwindigkeit im sogenannten Timed 25-Foot Walk (T25FW; entspricht 8,5 Metern) um durchschnittlich 38%, unabhängig von MS-Typ, Erkrankungsdauer oder EDSS-Score. Die Patienten bewerteten ihre Mobilität unter Fampridin deutlich positiver und berichteten über eine verbesserte Muskelkraft in den Beinen, so Limmroth.

Die TYPIC-Studie untersuchte an 7.284 MS-Patienten, ob Basistherapeutika unter Praxisbedingungen den Behinderungsgrad und Schubraten vermindern können. Die Effektivität der Präparate Avonex®, Rebif®, Betaferon® und Copaxone® war gleichwertig und unabhängig von der Injektionsfrequenz, so PD Dr. Ralf Linker, Erlangen. Allerdings gab es Unterschiede in der Adhärenz, die sich an Nebenwirkungen wie z.B. Injektionsreaktionen an der Einstichstelle zeigten. Avonex® in der 1x wöchentlichen Dosierung zeigt die wenigsten Hautreaktionen und hält mit 85% die höchste Adhärenzrate unter den Basistherapeutika. Zudem gibt es seit Juni 2011 einen Wochen-Pen als patientenfreundlichere Alternative. „Die Patienten haben keinen direkten Umgang mit der Kanüle, es besteht keine Gefahr, dass sie zurückzucken und so weniger Interferon an den Wirkort Muskel bringen.“ Vor allem bei dickeren Patienten besteht die Gefahr, dass der Spritzeninhalt unter der Haut landet statt intramuskulär. Das Interferon-Monitoring hat über die Messung des Wertes Neopterin ergeben, dass mit dem Pen zuverlässig hohe Interferonspiegel gewährleistet sind, das Interferon also am Wirkort ankommt, schloss Linker.

Einen Überblick zur Sicherheit des Natalizumab (Tysabri®) gab Prof. Dr. Dr. Sven Meuth, Münster, der einen Biomarker zur Risikostratifizierung für die fatale Komplikation der progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML), einer opportunistischen Virusinfektion, vorstellte. Das Virus lässt sich im sogenannten STRATIFY-JCV-Test nachweisen. „Kann eine Infektion mit JCV (Humanes Polyomavirus 2) sowie die Vorbehandlung mit Immunsuppressiva verneint werden, hat der Patient ein geringes Risiko für die Komplikation PML. In den ersten beiden Behandlungsjahren ist das Risiko einer PML ebenfalls kaum vorhanden“, so Meuth. Eine retrospektive Analyse der AFFIRM-Studiendaten ergab, dass 84% der Patienten keine Progression einer Behinderung erfuhren, 71% blieben schubfrei, 37% der Patienten unter Natalizumab zeigten keine Gadolinium-aufnehmenden oder T2-Läsionen gegenüber 7% unter Placebo. In der Langzeitstudie STRATA zeigte sich bei den Patienten mit Natalizumab über 240 Wochen konstant eine niedrige Schubrate mit dauerhaften EDSS-Werten unter 3. „Jeder Schub erhöht das Risiko auf eine bleibende Behinderung, daher muss in der Praxis über den optimalen Zeitpunkt einer leitliniengerechten Eskalation neu nachgedacht werden“, so Meuth. „Die Patienten müssen für den Erhalt ihrer Lebensqualität auf einem niedrigen Behinderungsniveau stabilisiert werden – das Hinauszögern einer Eskalationstherapie ist dabei nicht der richtige Weg.“
ab

Aus:Pressekonferenz „Immer einen Schritt voraus für eine individualisierte MS-Therapie: Innovative Behandlungsstrategien, 29.2.2012, München; biogen idec

Quelle: journalMED


...zurück zur Newsübersicht / Startseite
...zurück zur Newsübersicht / Archiv
...zurück zur Gesundheitsnews-Suche