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- 13.08.2012


Restless Legs Syndrom – häufige Folge eines Eisenmangels

 


Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine komplexe neurologische Störung, die mit Missempfindungen und Bewegungsdrang in den Beinen assoziiert ist, insbesondere bei Ruhe und am Abend. Es gilt heute als unbestritten, dass Eisenmangel eine zentrale pathogenetische Rolle in der Entwicklung eines RLS spielt und die RLS-Symptome verstärken kann.
Denn aufgrund seiner nicht-hämatopoetischen Wirkungen greift Eisen in die Neurotransmitter-Synthese ein. Die Diagnose des Eisenstatus und die Korrektur eines Eisenmangels sind daher in den Fokus der RLS-Therapie gerückt und werden durch die DGN-Leitlinie empfohlen. Eine aktuelle Studie bei Patienten mit RLS und Eisenmangel hat nun gezeigt, dass eine einmalige intravenöse (i.v.) Gabe von 500 mg Eisencarboxymaltose (ferinject®) die RLS-Beschwerden schon innerhalb einer Woche deutlich verbessern kann. Als Prädiktoren für ein gutes Ansprechen auf die i.v. Eisengabe erwiesen sich ein jüngeres Lebensalter, niedrigere Serum-Ferritin-Werte und eine geringere Anzahl von Komorbiditäten.

Das RLS ist durch einen erheblichen Bewegungsdrang und quälenden Missempfindungen in den Beinen und manchmal auch in den Armen charakterisiert. Die Beschwerden treten in Ruhe auf und verschlechtern sich am Abend. Bewegung und Aktivität verschaffen den Patienten vorübergehende Besserung. Bei hohem Leidensdruck wird das RLS in der Regel mit Dopaminergika behandelt. Der Therapieerfolg ist in manchen Fällen sogar zeitlich begrenzt, denn 10 bis 30% der Patienten entwickeln unter einer dopaminergen Therapie eine Augmentation, d.h. eine Zunahme der Symptomschwere oder eine zeitliche Vorverlagerung des Symptombeginns auf den Tag. Eine Augmentation tritt bei Patienten mit niedrigen Ferritin-Werten häufiger auf als bei Patienten mit normalem Ferritin.

Eisen – Schlüsselfaktor in der Neurobiologie des RLS:
Als einer der wichtigsten Auslöser für die Entstehung und die Persistenz eines sekundären RLS wurde der Eisenmangel identifiziert. Eine Beeinträchtigung des Eisenstatus z.B. im Rahmen chronischer Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Rheumatoider Arthritis, aber auch in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für die Entwicklung eines RLS und einer Verstärkung der RLS-Symptome. Vor allem chronisch Kranke entwickeln aufgrund einer entzündungsbedingten Eisenresorptionsstörung häufig einen Eisenmangel.

Die pathophysiologische Rolle von Eisen in der Entwicklung eines RLS wird hauptsächlich mit seinen Wirkungen auf die mitochondriale Energiegewinnung und das dopaminerge System im Gehirn in Verbindung gebracht. So ist Eisen als Zentralatom der Tyrosinhydroxylase unverzichtbar für die zerebrale Dopaminsynthese. Zudem weisen in vitro- und in vivo-Ergebnisse darauf hin, dass ein Eisenmangel zu einer Reduktion striataler D2-Rezeptoren und des Dopamintransporters führt.

Eisenmangel als Auslöser eines RLS ist gut intravenös therapiebar:
Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfehlen, bei RLS einen Serumferritin-Wert von mindestens 50 ng/ml anzustreben. Bereits bei niedrig normalen Ferritinwerten sollte eine Eisensubstitution erfolgen. Eine orale Eisensubstitution ist bei den häufig älteren und komorbiden RLS-Patienten nur wenig effektiv. Bei chronisch entzündlichen Begleiterkrankungen wird oral zugeführtes Eisen nicht oder nicht ausreichen resorbiert. Und selbst bei optimaler Resorption kann die orale Korrektur des Eisenmangels Monate dauern. Zudem wird die orale Eisentherapie durch gastrointestinale Nebenwirkungen häufig von den Patienten vorzeitig abgesetzt.

Eine effektive Therapie des RLS lässt sich mit einer i.v. Verabreichung von Eisencarboxymaltose erreichen, wie eine aktuelle in Deutschland durchgeführte Studie zeigt. Im Rahmen der Studie erhielten 20 RLS-Patienten mit einem niedrigem Serumferritin (<30 ng/ml oder <90 ng/ml bei TSAT <16%) eine Einzeldosis von 500 mg Eisencarboxymaltose. Innerhalb von drei Wochen sank der durchschnittliche IRLS-Score (International RLS Severity Scale) im Gesamtkollektiv klinisch relevant von im Mittel 30,1 auf 23,1 (p=0,001) und in der Responder-Gruppe von 28,3 auf 18,3 (p=0,002). Die Patienten zeigten einen unmittelbaren und fortdauernden Abfall der Symptomatik, der am Tag acht sein Maximum erreichte. Im Vergleich zu den Non-Respondern waren die Responder jünger, hatten niedrigere Serum-Ferritinwerte, niedrigere IRLS-Scores und zum Studienbeginn weniger Komorbiditäten. Aufgrund des schnellen Ansprechens konnte eine Dosiserhöhung oder eine Wechsel der dopaminergen Medikation vermieden werden. Bei einigen Patienten war die Verbesserung der RLS-Symptome so ausgeprägt, dass sie die Dosis der Dopaminergika reduzieren konnten. Die Therapie mit Eisencarboxymaltose wurde von den Patienten gut vertagen.

In einer anderen Beobachtungsstudie bei schwangeren Frauen mit RLS und Eisenmangel (Ferritin < 35 ng/ml) oder Anämie (Hb-Wert < 11 g/dl) erwies sich die i.v. Gabe von Eisencarboxymaltose (500-900 mg) im dritten Trimester auch in dieser besonderen Population als effektiv und gut verträglich. Neun der zehn teilnehmenden Patientinnen verspürten bereits in der ersten Nacht eine deutliche Symptomverbesserung. Nach vier Wochen sank der IRLS-Score von 25 auf 8 (p<0,02); das Serumferritin stieg von 17 auf 73 ng/ml.

Darüber hinaus ergab die PREFER-Studie bei symptomatischen eisendefizienten, nicht-anämischen Frauen, dass die i.v. Verabreichung von Eisencarboxymaltose auch zu einer raschen Verringerung von Fatigue führt. Vor der Therapie waren die Frauen durch die Fatigue in ihren Alltagsaktivitäten und ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Auch in dieser Studie konnte – ähnlich wie beim RLS – gezeigt werden, dass bereits der reine Eisenmangel ohne Anämie eine therapiebedürftige Symptomatik auslösen kann.

Fazit für die Praxis:
Eisenmangel ist eine häufige, aber gut therapierbare Ursache eines sekundären RLS. Bei symptomatischen Patienten sollte der Eisenstatus (Bestimmung des Serumferritins und der Transferrinsättigung) kontrolliert und die Ferritinspiegel durch eine adäquate Therapie auf hochnormale Werte angehoben werden. Laut der DGN-Leitlinie sollte ein Zielwert von mind. 50 ng/ml angestrebt werden. Mit einer Einzeldosis von 500 mg Eisencarboxymaltose kann vor allem bei Patienten mit niedrigen Ferritinwerten eine schnelle Verbesserung der RLS-Symptome erreicht werden.

Quelle: journalMED


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