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- 11.06.2014


REM-Schlafverhaltensstörung häufig fehlinterpretiert

 


Vor allem Frauen könnten von qualifizierten Diagnoseverfahren profitieren
Darmstadt – Sie sind angespannt, schlagen im Schlaf um sich, treten und verletzen dabei nicht selten den Partner oder sich selbst: Menschen mit einer REM-Schlafverhaltensstörung (RBD) haben aggressive Träume; meist richtet sich die geträumte Gewalt gegen sie selbst. Allerdings könnte angesichts des komplexen Krankheitsbildes die Dunkelziffer hoch liegen. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) plädiert deshalb für ein Diagnoseverfahren im Schlaflabor, die Polysomnographie. Denn eine RBD ist weit mehr als eine unangenehme Schlafstörung. Sie ist in mehr als 80 Prozent der Fälle ein Frühsymptom für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder bestimmte Demenzformen. Darauf macht die DGKN anlässlich des Tages des Schlafes am 21. Juni 2014 aufmerksam.

Die Zahl der Menschen mit REM-Schlafverhaltensstörungen (RBD) wird auf etwa 0,5 Prozent geschätzt – rund 90 Prozent sind Männer. „Wir gehen jedoch davon aus, dass RBD bei Frauen zu selten erkannt wird“, sagt Professor Dr. med. Geert Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Leiter der Hephata-Klinik Treysa. „Studien deuten darauf hin, dass Frauen mit Schlafstörung weniger aggressive Träume haben als Männer und ihre RBD deshalb mit unauffälligerem nächtlichen Verhalten einhergeht.“ Erschwerend käme hinzu, dass die Symptome häufig mit denen bei Restless Legs, Schlafwandeln oder anderen motorischen Auffälligkeiten im Schlaf verwechselt werden können. Im Falle einer Parkinsonerkrankung, als deren Vorbote die Schlafstörung betrachtet wird, liegt der Anteil der RBD-Betroffenen Frauen schon höher, bei etwa 40 Prozent.

Gerade weil RBD (rapid-eye-movement sleep behaviour disorder) früh auf eine Neurodegeneration hinweist, ist eine exakter Befund wichtig. Der DGKN-Experte Mayer hat mit anderen Wissenschaftlern in einer noch unveröffentlichten Studie ein dreistufiges Diagnoseverfahren erarbeitet: Danach sollten Patienten zunächst einen Fragebogen mit einfachen Ja/Nein-Fragen beantworten. Es folgt eine persönliche Befragung des Patienten und Partners. Abschließend führt ein Schlafmediziner eine Video überwachte Polysomnographie im Schlaflabor durch – laut Mayer die einzig verlässliche Methode zur sicheren Diagnose. Bei dieser Untersuchung werden zahlreiche Körperfunktionen wie etwa des Hirns, des Herzens und die Aktivität verschiedener Muskeln gemessen sowie das Schlafverhalten videometrisch aufgezeichnet.

„Diese Verfahren liefern Hinweise zum Beispiel über die Häufigkeit, Heftigkeit und den Verlauf der nächtlichen Bewegungen sowie über die Schlafphase und messen die Hirnströme der Patienten“, erläutert Mayer, der Vorsitzender der DGKN-Kommission Polysomnographie ist. Dabei verweisen abweichende Hirnströme auf eine kognitive Störung, die mit einem schnelleren Fortschreiten der RBD einhergehen kann. „Die Ergebnisse vergleichen die Forscher anschließend mit den erfragten Trauminhalten und bilden Subtypen: RBD-Patienten mit erhöhtem Risiko für Parkinson, Lewy-Körperchen-Demenz oder Multisystematrophie. „Dementsprechend können wir frühzeitig therapeutisch eingreifen“, sagt der DGKN-Experte.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung


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