Multiple Sklerose
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- 16.07.2014


Integrierte Versorgung bei MS ausweiten!

 


Die Integrierte Versorgung (IV) von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) im Rheinland bewährt sich: Wer an dem Vertrag zwischen dem Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) und der AOK Rheinland/Hamburg sowie acht weiteren Krankenkassen teil-nimmt, muss nur halb so oft ins Krankenhaus wie Patienten der Regelversorgung. Das zeigt eine Auswertung des IV-Vertrages, den Ärzte und Krankenkassen soeben verlängert haben.
„Weniger Klinikaufenthalte bedeuten für die Patienten eine deutlich höhere Lebensqualität und für die Kassen weniger Kosten“, kommentiert der BDN-Vorsitzende Dr. Uwe Meier die Ergebnisse der Evaluation. „Nun ist es an der Zeit, dieses erfolgreiche IV-Projekt auf andere Krankenkassen und weitere Krankheiten auszuweiten“, so seine Forderung.

Schon 2006 haben der BDN, die AOK Rheinland/Hamburg und die Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG) sektorenübergreifende Behandlungspfade entwickelt, um die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Kliniken zu optimieren. Sie definierten außerdem Leistungen, die den Patienten im Rahmen einer Integrierten Versorgung zusätzlich zur Verfügung stehen sollten. Dazu gehören zusätzliche vertiefende Untersuchungen, Patientenschulungen, Fallkonferenzen und die Zeit, Patient besonders ausführlich zu beraten.
„Bei diesen Beratungen geht es oft um Probleme psychosozialer Art, beispielsweise den Umgang mit der Fatigue, einer ausgeprägte Müdigkeit, die für 60 Prozent der MS-Patienten das belastendste Symptom überhaupt darstellt“, so Meier. Die Fatigue ist gerade im Berufsleben oft ein großes Problem. Die Patienten fragen sich, wie sie mit ihrer verminderten Belastbarkeit, möglichen Defiziten bei der Konzentration und der Müdigkeit zurechtkommen sollen. „Dies sind enorm zeitintensive Fragen, bei denen die Patienten sehr viel Unterstützung benötigten“, so der BDN-Vorsitzende. In der ambulanten Regelversorgung fehle aber oft die Zeit für diese intensive neuropsychologische und psychologische Betreuung.

Seltener stationäre Behandlung notwendig:
Die Evaluation des IV-Vertrages zeigt: Gründe für eine stationäre Behandlung bei MS-Patienten sind beispielsweise Infektionskrankheiten und psychopathologische Symp-tome wie Depression oder Fatigue. Die in den Vertrag eingeschlossenen Patienten wurden sowohl wegen allgemeinmedizinischer Erkrankungen als auch wegen MS-bezogenen Komplikationen nur etwa halb so häufig stationär aufgenommen wie Patienten, die nicht an der IV teilnahmen.
Die IV-Behandlungspfade, die konsequent den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie folgen, regeln Diagnose und Behandlung dieser Komplikationen klar und geben Entscheidungshilfen, wann ambulante und wann stationäre Behandlung sinnvoll ist. Auch die kontinuierliche Information der Patienten durch ein von der DMSG entwickeltes Schulungsprogramm trägt dazu bei, Kliniksaufenthalte zu vermindern. Patienten, die mehr über ihre Erkrankung wissen, können sich aktiv und kompetent bei der Entscheidung einbringen, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung erfolgen soll. Insgesamt waren 1.233 Patienten in das IV-Programm eingeschrieben.

Deutlich mehr Patienten könnten profitieren:
„Viele Patienten fragen, warum sie an diesem sinnvollen Vertrag nicht teilnehmen dür-fen. Ihnen muss ich erklären, dass ihre Krankenkasse an dem Projekt nicht teilnimmt“, bedauert Meier. 2012 waren im Rheinland neun Krankenkassen, 126 niedergelassene Neurologinnen und Neurologen und zwölf neurologische Kliniken beteiligt. „Es könnten deutlich mehr der rund 300.000 MS-Patienten in Deutschland von dieser intensivierten Betreuung profitieren, wenn andere Krankenkassen sich der IV-Versorgung anschließen würden“, so Meier.

Ausweitung auf andere chronische neurologische Erkrankungen sinnvoll
Aber nicht nur MS-Patienten können von einer intensivierten Betreuung im Rahmen einer IV-Versorgung profitieren. Ähnliche Vorteile für Betroffene sind laut dem BDN auch bei anderen chronischen neurologischen Erkrankungen zu erwarten, zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit. „Diese chronischen Patienten würden sehr von einer IV profitieren, davon bin ich fest überzeugt“, so Meier.

Quelle: Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN)


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