Multiple Sklerose
Anzeige
 
e-med Forum Multiple Sklerose 26. Februar 2020 Kontakt  Impressum  Datenschutz  
 

Ausgesuchte MS-Links:

 

- 23.06.2015


Europäischer Neurologiekongress in Berlin: Neuro-Forschung auf „Hochgeschwindigkeitskurs“ – 6.500 Experten diskutieren aktuelle Fortschritte

 


Mehr als 220 Millionen Menschen in Europa leiden an einer neurologischen Erkrankung – eine vielfach unterschätzte Dimension mit Potenzial zur regelrechten Versorgungs-Zeitbombe. Denn viele der Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Alzheimer werden in einer alternden Gesellschaft massiv zunehmen. Die Gesundheitspolitik müsse der Neurologie endlich die Priorität zukommen lassen, die ihrer Bedeutung angemessen ist, forderte EAN-Präsident Prof. Günther Deuschl. Auch unter den Schwerpunktthemen des wissenschaftlichen Großereignisses: Schlaganfall, Epilepsie und Multiple Sklerose.

„Die Dimension und die Krankheitslast neurologischer Erkrankungen in Europa werden unterschätzt, sie finden zu wenig Beachtung und das Fach ist in vielen europäischen Ländern mit unzureichenden Ressourcen ausgestattet. Dabei sollte der Versorgung neurologischer Patienten, aber auch der Forschung auf unserem Fachgebiet höchste gesundheitspolitische Priorität auf allen Ebenen zukommen“, sagte heute Prof. Günther Deuschl (Kiel). Von 20. bis 23. Juni diskutierten rund 6.500 Experten aus aller Welt aktuelle Trends ihres Fachgebietes.

Ein Drittel der Bevölkerung habe zumindest einmal im Leben Kontakt mit einem Neurologen, so Prof. Deuschl. „Daten des European Brain Council zufolge leiden insgesamt 220,7 Millionen Menschen in Europa an mindestens einer neurologischen Erkrankung – das sind mehr als die Einwohner von Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen“. Diesen Anforderungen stehen im EU-Raum insgesamt rund 25.000 Neurologinnen und Neurologen gegenüber. Prof. Deuschl: „Das reicht schon heute kaum aus, und wird erst recht perspektivisch immer mehr zum Problem. Denn die Häufigkeit vieler neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz oder Morbus Parkinson nimmt mit steigendem Alter deutlich zu.“ Schon heute sind die durch neurologische Erkrankungen verursachten volkswirtschaftlichen Kosten empfindlich hoch. Mehr als 336 Milliarden Euro pro Jahr machen die direkten und indirekten Kosten neurologischer Erkrankungen aus, das ist mehr als der gesamte deutsche Bundeshaushalt.

Dieser Entwicklung kann die moderne Neurologie allerdings etwas entgegensetzen. „Die Neurologie ist ein Fach auf Hochgeschwindigkeitskurs“, so Prof. Deuschl. „Wir haben auf die wachsende Herausforderung durch diese Erkrankungen auch immer mehr präventive, diagnostische, therapeutische und rehabilitative Antworten.“

MS: Auf dem Weg zur Immunisierung:
Die zahlreichen Sitzungen und Präsentationen zum Thema Multiple Sklerose auf dem EAN-Kongress seien auch Beleg für die enormen Fortschritte, die in der Forschung zur Multiplen Sklerose derzeit zu beobachten sind, sagte Prof. Xavier Montalban, Vall d’Hebron Krankenhaus Barcelona. „Zu den wichtigen aktuellen Entwicklungen in unserem Gebiet gehören die ständige Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten, die Bemühungen um eine maßgeschneiderte, individualisierte Behandlung und neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Antigen-spezifischen Immunisierung.“

Die Wissenschaftler hoffen, dass Antigen-spezifische Therapien die unerwünschten Immunantworten, die für die MS typisch sind, zu unterdrücken, ohne aber die normale Immunfunktion zu beeinträchtigen, die zur Abwehrt von Infektionen und Krebszellen benötigt wird. Auf großes Interesse stieß die Präsentation von Ergebnissen der ETIMS Studie. „Kurz gesagt geht es bei diesem Ansatz darum, körpereigene Blutzellen mit unterschiedlichen Myelin-Peptiden zu verbinden, um dadurch eine Antigen-spezifische Toleranz zu erzielen. fasste Prof. Montalban zusammen. „Die Machbarkeit, Verträglichkeit und Sicherheit dieses neuen therapeutischen Ansatzes konnten damit gezeigt werden. Jetzt ist eine multizentrische Phase-IIa-Studie in Vorbereitung.“ Eine anderer Ansatz ist es, Myelin-Peptide über ein Pflaster zu verabreichen, wie Prof. Montalban berichtete: „Eine beeindruckende Studie, die ein polnisches Forscherteam aus Lodz durchgeführt und auf dem EAN-Kongress präsentiert hat, zeigt das immun-regulierende Potenzial einer transdermalen Immunisierung von MS-Patienten mit MS-Peptiden. In einer Phase-I-Doppelblinstudie mit 30 Patienten, die an schubförmig-remittierender MS litten, wurden eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität gemessen. Das eröffnet den Weg zu neuen Verabreichungsformen von Peptide, immer auf der Basis eines Immunisierungskonzeptes.“


Volkskrankheit Schlaganfall- Mechanische Gerinnselentfernung etabliert sich:
So gibt es etwa im Management des Schlaganfalls – mit 1,3 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr in der EU eine regelreche Volkskrankheit – wichige Fortschritte, berichtete EAN-Vizepräsident Prof. Franz Fazekas (Graz). „Eine der wichtigsten aktuellen Entwicklungen in der Akuttherapie des Schlaganfalls ist die zunehmende wissenschaftliche Evidenz zur mechanischen Entfernung von Thromben aus Gehirngefäßen. Kürzlich publizierte Studienergebnisse belegen nicht nur eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit der Thrombektomie, sondern erstmals auch ihre Überlegenheit gegenüber der Standard-Therapie mittels Thrombolyse bei bestimmten Patientengruppen.“


Vielversprechende Stimulationstechniken bei therapieresistenter Epilepise:
Mehr als 2,6 Millionen Menschen in Europa leben mit Epilepsie. Trotz aller Fortschritte bei Medikamenten und neurochirurgischen Eingriffen haben 25 bis 30 Prozent der Betroffenen trotz optimierter Behandlung weiterhin Anfälle. „Genau für diese Gruppen von Patienten suchen wir nach geeigneten neuen Optionen“, so Prof. Paul Boon, Universitätkrankenhaus Gent (Belgien). „Fortschritte gibt es dabei aktuell bei verschiedenen minimal- und nicht-invasiven Neurostimulationsverfahren, der tiefen Hirnstimulation oder den Closed-Loop-Verfahren“, so Prof. Boon.

Quelle: B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung


...zurück zur Newsübersicht / Startseite
...zurück zur Newsübersicht / Archiv
...zurück zur Gesundheitsnews-Suche